SachsenArtensterben in Sachsen: Rebhuhn und Kiebitz stark bedroht

Der Bestand an Rebhühnern ist in Sachsen in den vergangenen drei Jahrzehnten extrem geschrumpft. Deshalb sollen die Bodenbrüter auf geeigneten Flächen wieder ausgewildert werden.
Dresden (dpa/sn) - Tiere wie das Rebhuhn und die Bachforelle sollen in Sachsen künftig stärker geschützt werden. Die Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt (LANU) will sich wegen des fortschreitenden Artensterbens verstärkt um beide Tierarten kümmern, sagte Stiftungsdirektor Robert Clemen in Dresden. Das Artensterben schreite in bisher unbekannter Dimension fort und werde zu einer Bedrohung des Planeten. Es gelte unbedingt Gegenmaßnahmen einzuleiten, um einen Riesenkollaps zu vermeiden.
Nach Angaben der Stiftung gibt es bereits zahlreiche Verluste. So würden etwa der Große Brachvogel und auch die Uferschnepfe in Sachsen nicht mehr im Freistaat leben. Gleiches gelte für die Süßwasserfischart Schneider. Der Bestand an Rebhühnern sei in den vergangenen 30 Jahren auf ein Prozent der ursprünglichen Population geschrumpft, bei Kiebitzen auf sieben Prozent. Besonders die feuchten Wiesen und Weiden, wo Vögel wie der Kiebitz leben, würden zu den am meisten bedrohten Lebensräumen in Mitteleuropa zählen.
Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Tschechien will sich die Stiftung auch der Bachforelle im Erzgebirge widmen. Die Salmoniden brauchen kalte, sauerstoffreiche Fließgewässer. Steigen die Wassertemperaturen auf mehr als 15 Grad kann sich etwa ein spezieller Leberparasit gut vermehren und die Fische töten.
Auswilderung von Rebhühnern geplant
"Wir werden uns auch intensiver damit beschäftigen, wieder in solche konkreten Artenschutzprojekte einzusteigen", betonte Clemen. So wolle man in Kooperation mit dem Zoo Leipzig voraussichtlich ab 2027 auf eigenen Flächen der Stiftung Rebhühner auswildern. Der Leipziger Zoo war bereits Partner bei den Feldhamstern.
Die Landesstiftung kümmert sich vor allem um Umweltbildung und Naturschutz. Seit 1992 gibt es einen Naturschutzfonds, der sich aus Spenden, Mitteln der Lotterie Glücksspirale und Ersatzzahlungen speist, die beispielsweise von Unternehmen für Eingriffe in die Natur geleistet werden müssen. Mit dem Geld werden Projekte gefördert und Flächen angekauft.
Biotopverbund für die Schleiereule
2025 wurden 35 Vorhaben mit insgesamt 365.000 Euro unterstützt. Das kleinste Projekt erhielt 500 Euro und betraf eine Informationsveranstaltung zum Blutbär - einer Schmetterlingsart, deren Raupe das giftige Jakobskreuzkraut frisst, das für Weidetiere gefährlich ist. Das größte Vorhaben (24.500 Euro) betraf einen Biotopverbund der Schleiereule im Landkreis Zwickau.
Aktuell besitzt die Landesstiftung 41 Flächen mit einer Größe von insgesamt 1.450 Hektar. Die drei Umweltmobile der Stiftung und ihr Umweltbus für Kinder machten im vergangenen Jahr etwa 450 Mal in Station und erreichten dabei rund 7.000 Mädchen und Jungen, hieß es. Das Programm "Junge Naturwächter Sachsen" in Regie der Stiftung hat aktuell mehr als 800 Teilnehmer in 55 Gruppen. Zudem wurde 48 Naturschutzstationen mit rund 3,4 Millionen Euro unterstützt. Das Budget der Stiftung liegt bei etwa 9,5 Millionen Euro.