Regionalnachrichten

SachsenFestivalstart mit Schrei-Chor und Kehlkopfgesang

18.06.2026, 23:01 Uhr
Vor-der-Eroeffnung-des-Festivals-Theater-der-Welt-praesentierte-sich-der-finnische-Maennerchor-Mieskuoro-Huutajat-aus-Oulu-auf-dem-Chemnitzer-Theaterplatz

18 Tage lang präsentieren sich Theaterproduktionen aus aller Welt in Chemnitz. Von einer Fantasiewelt aus Papier über indigene Stimmen bis zum Eintauchen in virtuelle Welten - das wird geboten.

Chemnitz (dpa/sn) - Vom Kulturhauptstadtjahr zum großen Theaterfest: 18 Tage lang ist Chemnitz Schauplatz des Festivals "Theater der Welt". Zur Eröffnung erlebten die Besucher im Opernhaus einen kraftvollen Musiktheaterabend, bei dem Musik, Erzählung, Videoeinspielungen und Performance eindrucksvoll miteinander verschmolzen.

"Split Tooth: Saputjiji" der kanadischen Sängerin und Autorin Tanya Tagaq feierte in Chemnitz Deutschlandpremiere. Es verbindet Motive aus Tagaqs Roman "Eisfuchs" mit Kompositionen aus ihrem aktuellen Album, bei dem Kehlkopfgesang der Inuit eine zentrale Rolle spielt. Ein Schwerpunkt des Festivals liegt auf indigenen Stimmen und Perspektiven.

"Theater der Welt" gilt als eines der wichtigsten internationalen Theaterfestivals in Deutschland. Es findet alle drei Jahre statt. Zuletzt waren Frankfurt am Main und Offenbach 2023 die Gastgeber gewesen.

Mehr als 30 internationale Theaterproduktionen werden bis 5. Juli in der Stadt präsentiert: von der Pop-Oper "Nkoli: A Fierce & Fabulous Life" über den Anti-Apartheid-Aktivisten Simon Nkoli über die tschechische Produktion "Amadoka", die eine Romantrilogie zu einem Jahrhundert ukrainischer Geschichte aufgreift. Auch Figurentheater, Performances und eine Produktion, bei der Zuschauer mittels VR-Brille in eine künstliche Welt eintauchen, sind zu erleben.

Internationales Kuratoren-Team stellt Programm zusammen

Das Programm wurde von neun internationalen Kuratorinnen und Kuratoren zusammengestellt. Das Festival vertraue auf Vielstimmigkeit, Dialog und die produktive Kraft unterschiedlicher Blickwinkel, erklärte die Präsidentin des Internationalen Theaterinstituts, Yvonne Büdenhölzer, zur Eröffnung. Es ist Hauptträger des Festivals. "Unsere Arbeit entsteht aus der Überzeugung, dass Theater eine Sprache ist, die politische, sprachliche und geografische Grenzen überschreiten kann." Dabei gehe es auch darum, marginalisierten Gruppen eine Stimme zu geben.

"Theater der Welt bringt das Beste, was die internationale Bühnenkunst zu bieten hat, zu uns hier nach Chemnitz", schwärmte Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD). Festivalintendant Christoph Dittrich - zugleich Chef des gastgebenden Chemnitzer Theaters - erwartet ein "Metropolgefühl" in der Stadt. In den kommenden Tagen würden Menschen aus vielen Ländern die Stadt bunt und vibrierend machen, sagte er.

Kinder erschaffen papierne Fantasiewelt

Vor der Eröffnung am Abend kamen bereits die Jüngsten zum Zug. In der Hartmannfabrik wurde Papier geknüllt, gerissen und neu zusammengeklebt zu Tieren, Kostümen und fantasievollen Pflanzen. "Paper Planet" heißt das Projekt des Polyglot Theatre aus Australien, das über mehrere Tage hinweg einen Wald aus Papier und Karton entstehen lässt. Der soll von Tag zu Tag wachsen. Zudem präsentierte sich auf dem Theaterplatz der finnische Männerchor Mieskuoro Huutajat aus Oulu - eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte Europas. Der Chor singt sein Repertoire nicht, sondern schreit und ruft es.

Quelle: dpa

Regionales