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Sachsen Schnelltests in sächsischen Corona-Hotspots haben begonnen

Zwei Männer vom Katastrophenschutz des DRK laden einen Transporter mit Testmaterial aus. Foto: Daniel Schäfer/dpa-Zentralbild/dpa

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Testen im Minutentakt: Viele Menschen haben sich in Rathmannsdorf und Räckelwitz auf das Coronavirus untersuchen lassen. Das Land will so seine weiter steigenden Infektionszahlen in den Griff bekommen.

Dresden (dpa/sn) - Wattestäbchen, Abstrich - und in wenigen Minuten ein Testergebnis: In zwei Gemeinden hat Sachsen am Freitag mit den ersten flächendeckenden großangelegten Corona-Schnelltests begonnen. So hatten sich etwa in Rathmannsdorf (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) bereits am Morgen vor Beginn der Tests zahlreiche Menschen vor dem Gemeindezentrum versammelt. Lange Schlangen oder Wartezeiten gab es aber laut einem dpa-Reporter zunächst nicht. Die knapp 1000 Einwohner konnten sich bis zum Abend freiwillig und kostenfrei auf das Coronavirus testen zu lassen.

Auch in Räckelwitz bei Kamenz liefen am Freitagmorgen in der Sporthalle der Gemeinde die Massentests an. Nach Angaben des Landratsamtes ließen sich bis zum Ende des Tests am Abend 321 Menschen testen. Mehr als 30 Einwohner der Gemeinde machten zudem von der Möglichkeit Gebrauch, sich zu Hause von einem mobilen Einsatzteam testen zu lassen. Bis zum Nachmittag wurden fünf positive Ergebnisse registriert. Die Betroffnen müssten nun noch einen herkömmlichen PCR-Test machen, hieß es.

"Für das Deutsche Rote Kreuz ist die Organisation der Massentests und der gleichzeitige Aufbau der Impfzentren natürlich eine große Herausforderung", sagte Kai Kranich vom DRK, das die Massentests gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen umsetzt. Die Testaktion sei in beiden Gemeinden "problemlos angelaufen". Die Atmosphäre beschrieb Kranich als ruhig und entspannt. Vereinzelt habe es im Laufe des Tages Warteschlangen gegeben. "Etwa eine Stunde Zeit muss man schon einplanen, bis das Ergebnis vorliegt."

Beide Gemeinden sind stark von Corona-Fällen betroffen und liegen in Landkreisen, die bundesweit als Hotspots gelten. Laut Robert Koch-Institut gab es zuletzt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 470 Neuinfektionen in einer Woche pro 100 000 Einwohner. Der Kreis landet damit bundesweit auf dem dritten Platz, gefolgt vom Landkreis Bautzen mit einem Inzidenzwert von 441.

Mit der Testaktion sollen möglichst viele Träger des Coronavirus ohne Symptome von ihrer Infektion erfahren. Experten vermuten, dass es zu vielen Ansteckungen durch Menschen kommt, die gar nichts von ihrer Infektion mit Sars-CoV-2 wissen. Der Freistaat stellt in einer ersten Stufe rund 20 000 Tests zur Verfügung - insgesamt sollen es bis zu 200 000 sein.

Mit den Schnelltests hofft Sachsen, die Pandemie einzudämmen. Denn im bundesweiten Vergleich ist das Infektionsgeschehen in Sachsen derzeit besonders dramatisch. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tage-Inzidenz für den Freistaat mit 276 an. Auf Rang zwei rangiert Bayern, wo der Wert mit 171 deutlich niedriger liegt.

Das sorgt dafür, dass zunehmend auch die Kliniken an ihre Grenzen kommen. Nachdem am Donnerstag bereits die Collm-Klinik Oschatz einen Besucher- und Aufnahmestopp verhängte, folgte am Freitag mit dem Krankenhaus Eilenburg ein zweites Krankenhaus in Nordsachsen. In den vergangenen Tagen wurden den Angaben zufolge mehr als 50 Mitarbeiter und Patienten positiv getestet. Daher könnten nur noch Notfälle behandelt werden. Auch am Städtischen Klinikum Dresden können bereits keine Covid-19-Patienten mehr aufgenommen werden.

Mehr als 650 Soldatinnen und Soldaten helfen derzeit in sächsischen Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern, Gesundheitsämtern und in mobilen Abstrichteams aus. Sie sind in sämtlichen Landkreisen und kreisfreien Städten im Einsatz, um das Personal zu entlasten.

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