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SachsenSinkendes Grundwasser setzt Wäldern und Trinkwasser zu

07.09.2026, 05:02 Uhr
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(Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa)

Das Problem ist auf den ersten Blick nicht sichtbar, aber Experten sind alarmiert. 88 Prozent der Messstellen für Grundwasser in Sachsen zeigen niedrigere Werte an als üblich. Das hat Konsequenzen.

Dresden (dpa/sn) - Sachsen kämpft seit langem mit sinkendem Grundwasser. Die Lage hat sich in diesem Jahr weiter verschärft. "Aktuell werden an etwa 88 Prozent unserer rund 550 Messstellen die sonst üblichen Grundwasserstände im Schnitt um gut einen halben Meter unterschritten", sagte Andy Philipp, Wasserexperte im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, der Deutschen Presse-Agentur.

Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es an 81 Prozent der Messstellen 37 Zentimeter Unterschreitung. Damit sei man nach einer kurzen Linderung Ende 2021/Anfang 2022 und im Winter 2023/2024 wieder an einem Tiefpunkt angelangt.

Grundwasserstände sinken schon seit 2013

"Das Grundwasser ist ein Element des Wasserhaushaltes, das wir recht gut kennen, weil wir eine große Anzahl von Messstellen haben. Die Grundwasserstände sinken bereits seit 2013. Es hat bisher keine längere Erholung stattgefunden, erst recht keine nachhaltige Erholung", betonte der Fachmann. Zudem gebe es eine Verschiebung in der Dynamik. Früher sei gerade im Bergland ein erheblicher Teil des Niederschlages als Schnee gefallen. Bei der Schneeschmelze habe sich das Grundwasserreservoir aufgefüllt. In den vergangenen Jahren habe es diesen Effekt aber immer weniger gegeben.

"Wir sehen also nach wie vor eine abnehmende Tendenz in den mittleren Grundwasserständen. Ausgeprägte Niedrigstände und das Andauern der Situation sind im langjährigen Vergleich ungewöhnlich", sagte Philipp. Nun stelle sich die Frage, ob das alles noch im natürlichen Schwankungsbereich liege oder zu einer grundlegenden Änderung geführt habe. Die direkte Beobachtung der Grundwasserneubildung sei nur eingeschränkt möglich. "Wir kennen zwar die Grundwasserstände gut. Aber Grundwasser ist nicht statisch, es fließt im Untergrund. Damit kann es nicht unmittelbar erfasst werden."

"Lysimeterstation" in Brandis liefert Rückschlüsse

Für Daten zum Wasserkreislauf unterhält das Landesamt in Brandis (Landkreis Leipzig) eine sogenannte Lysimeterstation. Sie besteht aus 28 etwa drei Meter hohen, nach oben offenen und unten geschlossenen Zylindern - den Lysimetern. Gemessen wird, wie Niederschläge durch verschiedene Erdböden versickern. "Es hat sich jetzt etwas gezeigt, was es bis dato noch niemals gab. Selbst eine Vielzahl schwerer Böden, die sonst ein großes Speichervermögen besitzen, sind ohne Sickerwasser geblieben. Mit anderen Worten: Obwohl es oben regnete, kam das ganze Jahr über unten nichts mehr an."

Philipp geht davon aus, dass für diese Entwicklung ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren verantwortlich ist. Neben einer Abnahme der Niederschläge habe auch eine deutlich höhere Verdunstung dazu geführt. Mit zunehmender Temperatur in der Atmosphäre komme es zudem zu mehr lokal begrenztem Starkregen. "Es ist für den Wasserhaushalt ein Unterschied, ob 50 Liter pro Quadratmeter als Landregen übers ganze Wochenende verteilt fallen oder binnen einer Stunde als Starkregen. Denn dann kann es kaum im Boden versickern und fließt an der Oberfläche ab."

Bäume können nicht mehr ausreichend Wasser ziehen

Philipp ging zudem auf Auswirkungen ein. "Es gibt umfassende Effekte, auch wenn sie in bestimmten Bereichen weniger relevant und wahrnehmbar sind." Sichtbar wäre der Grundwassermangel etwa beim Befall der Bäume durch Borkenkäfer. "Fichten können bei Wassermangel kein Harz mehr bilden. Das aber wird gebraucht, um die Bohrstellen der Borkenkäfer zu verschließen. Und sinkende Grundwasserstände verschlechtern auch die Wasserverfügbarkeit im Boden über dem Grundwasser." Selbst tief wurzelnde Laubbäume würden zum Teil nicht mehr genügend Wasser ziehen können.

Grundwasser ist auch für die Trinkwasserversorgung entscheidend, betonte Philipp. Etwa 70 Prozent des Trinkwassers in Deutschland stammt aus Grund- oder Quellwasser und Uferfiltraten. In Sachsen sind es 60 Prozent, weil der Freistaat vergleichsweise viele Talsperren besitzt. Nicht zuletzt gelte es, die Wasserinhaltsstoffe in den Blick zu nehmen. Nitratbelastung sei etwa in Nordsachsen ein Problem. Mit sinkendem Grundwasser nehme der technische und finanzielle Aufwand zur Reinigung des Wassers zu.

Quelle: dpa

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