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Sachsen Spenden in Zeiten von Corona: Große Unterschiede bei Erlösen

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Traditionell werben Hilfsorganisationen gegen Jahresende verstärkt um Spenden. Solidarität lautet gerade in der Krise das Gebot der Stunde -dennoch haben auch Spendensammler in diesen Tagen zu kämpfen.

Dresden (dpa/sn) - Keine Benefizveranstaltungen, keine Spendengalas und mit Weihnachten steht die wichtigste Zeit des Jahres bevor: Das Sammeln von Spenden ist mit dem neuerlichen Stillstand des öffentlichen Lebens nicht einfacher geworden. "In Richtung Weihnachten blicken Spendenaktionen wie "Brot für die Welt" schon sehr kritisch", sagte Sigrid Winkler-Schwarz vom Diakonischen Werk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen gegenüber dpa.

Man befürchte, dass traditionelle Sammelwege wie Kollekten in sonst gut gefüllten Kirchen zu Heiligabend stark einbrechen könnten. Bereits durch den Lockdown im Frühjahr sei manche Kampagne bei der Hälfte der üblichen Einnahmen stehen geblieben - aufgrund geschlossener Kirchen. Auch die "analoge" Haus- und Straßensammlung der Diakonie brachte demnach im Frühjahr nur etwa ein Fünftel ein.

Der Dresdner Arbeitskreis der Kindernothilfe berichtet ebenfalls, dass die Aktivitäten durch Corona "deutlich beeinträchtigt" seien. So würden Paten und damit regelmäßige Spender vor allem bei Info-Veranstaltungen gewonnen, die coronabedingt aber größtenteils ausgefallen seien, sagt Cornelie Haag vom Arbeitskreis. Mit der Aktion "15 Minuten Advent" - einem kleinem Päckchen gefüllt mit Tee, Kerze, Lebkuchen und Co. - wolle man ein wenig Besinnung in die Adventszeit bringen und zugleich jeweils drei Euro Spenden sammeln. "Wir werden 700 Tütchen produzieren, aber mit einer Ungewissheit, ob unsere normalen Verteilwege möglich sind."

Unsolidarisch sind die Menschen in Pandemie-Zeiten trotzdem nicht: Denn zugleich funktionieren gezielte Corona-Hilfen gut, berichtet etwa Kai Kranich, Sprecher beim sächsischen Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes. "Über unseren Nothilfefonds haben wir allein in Sachsen bisher 400 000 Euro eingeworben, hinzukommen diverse Großspenden wie zum Beispiel eine mobile Teststation."

Diese Einschätzungen stimmen mit einer Umfrage des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) überein: Auf der einen Seite sind die Spendeneinnahmen bei 21 der 30 größten Hilfsorganisationen im ersten Halbjahr im Durchschnitt um 11,6 Prozent gestiegen. Andererseits mussten vor allem kleinere Hilfswerke Einbußen hinnehmen.

"Diese gespaltene Tendenz ist vor allem deshalb von großer Bedeutung, weil kleine und sehr kleine Organisationen die übergroße Mehrzahl der rund 630 000 gemeinnützigen Organisationen in Deutschland darstellen", sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. Die unter anderem vom Bundesfamilienministerium getragene Stiftung vergibt seit 1992 ein Spenden-Siegel, das spendensammelnde Organisationen auf ihre Vertrauenswürdigkeit prüft.

Darüber hinaus gewinnen neue digitale Formate an Bedeutung: So verlegte die Sächsische Krebsgesellschaft ihre alljährliche Veranstaltung "Laufend gegen Krebs" erfolgreich ins Virtuelle. Die Diakonie sammelte mit einen Online-Lauf 38 500 Euro, um bedürftigen Kindern ein paar Tage Urlaub zu schenken. Der Erlös habe alle Erwartungen und bisherigen Ergebnisse weit übertroffen, so Diakonie-Sprecherin Winkler-Schwarz. Das DRK setzt bereits seit vergangenem Jahr verstärkt auf Online-Spenden. "Wir müssen auch beim Spendensammeln digitaler werden", meint Kai Kranich.

Bereits zum 25. Mal lädt die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" in diesen Tagen zum Mitpacken ein. Während die Spendenerlöse der dahinter stehenden Organisation Samaritan's Purse etwa 40 Prozent über dem Vorjahr liegen, steht und fällt die Geschenkaktion mit dem Monat November. So sei derzeit nicht abschätzbar, ob alle 288 Abgabestellen in Sachsen zugänglich seien, sagt Sprecher Tobias-Benjamin Ottmar. Zugleich sei aber das Interesse im Online-Bereich deutlich höher.

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