SachsenWinterwunderland Erzgebirge: Kammloipe lockt viele Skifahrer

Das ausgiebige Winterwetter macht die Kammloipe im Erzgebirge wieder zu einem Magneten für Skilangläufer. Wie die Fernloipe entstanden ist und ein 96-Jähriger sie zu seinem Lebenswerk gemacht hat.
Schöneck/Johanngeorgenstadt (dpa/sn) - Die Fichten im Erzgebirge haben reichlich Schnee in den Wipfeln, die Landschaft ist weithin winterlich weiß. Nicht nur an den Skihängen mit ihren Liften tummeln sich derzeit viele Wintersportler. Auch oben am Gebirgskamm sind seit Jahresbeginn die Loipen gespurt. "Vor allem am Wochenende ist hier richtig Betrieb", berichtet Siegfried Gläß. "Viele Leute kommen extra aus Leipzig und Berlin hierher, aber auch aus den alten Bundesländern und Tschechien."
Der 96-Jährige gilt als einer der Väter der Kammloipe, die auf 36 Kilometern von Schöneck bis nach Johanngeorgenstadt führt. Wem das nicht reicht, der kann noch einmal knapp 35 Kilometer über die Skimagistrale KLM auf tschechischer Seite bis Boží Dar (Gottesgab) und Oberwiesenthal hinauf auf den 1.215 Meter hohen Fichtelberg auf Skiern durchs Erzgebirge streifen.
So wurde die Idee zur Kammloipe geboren
Nach der Wiedervereinigung seien viele Menschen aus der Region fortgezogen und hätten etliche Ferienheime dicht gemacht, erinnert sich Gläß. "Dagegen müssen wir etwas tun", habe er sich mit seinem damaligen Mitstreiter Christoph Meyer gedacht. Skibegeistert war Gläß schon seit früher Kindheit und so sei man rasch auf die Idee einer Fernloipe gekommen. "Oben auf dem Erzgebirgskamm sind wir schon immer Ski gefahren auch ohne Spurmaschine."
Zunächst musste die Trasse festgelegt und vermessen werden. Auch brauchte es eine gute Ausschilderung, damit sich Auswärtige zurechtfinden. "Und wir mussten damals vier Landkreise und zehn Kommunen überzeugen", erzählt Gläß. "Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, wie uns das gelungen ist." Am 18. Dezember 1992 wurde die Kammloipe dann das erste Mal gespurt.
Symbol für aktiven, naturnahen Winterurlaub
Seither hat sie sich zu einem Magneten für Wintersportler und den Tourismus entwickelt. "Die Kammloipe ist ein Imageträger für aktiven, naturnahen Winterurlaub und ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber vielen anderen Mittelgebirgsregionen", sagt Claudia Brödner vom Tourismusverband Erzgebirge. Wie viele Menschen die Fernloipe nutzen, dazu gebe es keine belastbaren Zahlen. Klar sei aber, dass sie für Wertschöpfung im Hotel- und Gastgewerbe, Handel sowie bei Verleih- und Service-Dienstleistern sorge. Vom Deutschen Skiverband ist die Kammloipe als "Exzellente Loipe" anerkannt.
Über die Jahre wurde die Infrastruktur entlang der Loipe stetig ausgebaut. So gibt es in Mühlleithen eigens eine Loipenbrücke, die über die Bundesstraße 283 führt. Die Parkplätze entlang der Strecke wurden ausgebaut, damit Langläufer an verschiedenen Orten in die Loipe einsteigen können. Am Schneckenstein wurde eine Sonnenterrasse mit Notfallstation eingerichtet, ebenso wie mehrere Schutzhütten und Loipenhäuser entlang der Strecke. Außerdem gibt es rund um die Fernloipe ein dichtes Netz weiterer Anschluss- und Ortsloipen.
Damit Skifahrer gute Bedingungen vorfinden, legen schon in den frühen Morgenstunden mehrere Pistenbullys los und spuren die Loipe. Dabei sei jede Kommune für den Abschnitt auf ihrem Gebiet verantwortlich, erklärt André Oswald, parteiloser Bürgermeister von Johanngeorgenstadt und zugleich Vorsitzender der kommunalen Arbeitsgemeinschaft Kammloipe. Allein das Spuren koste seine Stadt jährlich etwa 10.000 bis 20.000 Euro, sagt er.
Loipe bleibt gratis - Sind Nutzer bereit für eine Spende?
Anders als Loipen in manch anderen Regionen soll die Nutzung der Kammloipe Erzgebirge/Vogtland auch in Zukunft gratis bleiben, erklärt Oswald. Vielmehr baue seine Stadt auf Einnahmen an Parkplätzen. In Zukunft sollen Nutzer auch verstärkt die Möglichkeit erhalten, für den Betrieb der Kammloipe zu spenden - etwa über einen Button auf der Internetseite und QR-Codes an Parkplätzen.
Und trotz seines Alters hält die Kammloipe auch Gläß weiter auf Trab. Ski fahre er zwar nicht mehr, erzählt der Senior. Aber jeden Morgen sei er ab 4.00 Uhr auf den Beinen, informiere sich über Schneehöhen und Zustand der Loipe, um dann seine Internetseite zu aktualisieren. "Die Leute wollen doch wissen, ob sich die Anfahrt lohnt."
Abhängig von Naturschnee - welche Zukunft hat die Kammloipe?
Denn während für Skifahrer und Snowboarder an den Liften vielerorts mit Schneekanonen nachgeholfen wird, ist die Kammloipe auf Naturschnee angewiesen. Und der könnte in Zukunft angesichts des menschengemachten Klimawandels auch auf dem bisher relativ schneesicheren Erzgebirgskamm seltener werden. "Wo man im Winter wunderbar Langlauf machen kann, kann man im Sommer auch wunderbar wandern und Rad fahren", betont Oswald. Das gelte es in Zukunft noch stärker zu vermarkten.
Gläß selbst ist noch etwas anderes wichtig. Die Kammloipe ist kein Rundweg und hier gibt es auch Gegenverkehr. "Die Menschen begegnen sich, grüßen und helfen sich. Das ist immer wieder schön." Zugleich helfe Langlauf körperlich fit zu bleiben und erhalte die Lebensfreude, weiß er aus eigener Erfahrung. Er schätzt, dass die Kammloipe bisher mehr als zwei Millionen Skifahrer angelockt hat.