Regionalnachrichten

ThüringenGeld knapp: Warum Hochschulen stärker kooperieren sollen

11.09.2026, 11:58 Uhr
image

Eine neue Vereinbarung soll Kooperationen zwischen den Hochschulen stärken und Kosten senken. Was das für die zehn Standorte in Thüringen bedeutet.

Erfurt (dpa/th) - Es gehört zu den zentralen Reformvorhaben der Regierungskoalition von CDU, Thüringen.Gerecht und SPD: Die Hochschulen im Freistaat sollen sich enger verzahnen, so perspektivisch ihre Kosten senken und Ressourcen effizienter einsetzen. Das sieht ein Entwurf für eine neue Hochschulrahmenvereinbarung vor, die im Landtag diskutiert wurde. "Nicht jede Hochschule muss jede Leistung selbst vorhalten", sagte Bildungsminister Christian Tischner (CDU) im Parlament. Studienangebote könnten stärker abgestimmt, Forschungsinfrastruktur gemeinsam genutzt werden.

Hintergrund sind Sparbemühungen der Landesregierung angesichts einer schwierigen Haushaltslage.

Wie viel Geld bekommen die Hochschulen?

Die neue Vereinbarung sieht vor, dass die zehn staatlichen Hochschulen von 2027 bis 2031 rund 3,1 Milliarden Euro vom Land erhalten. Die Steigerungsraten pro Jahr liegt zwischen 1,24 und 1,75 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. Zum Vergleich: Ende 2025 war noch eine Steigerung um 3,5 Prozent festgelegt worden.

Bleiben alle Einrichtungen erhalten?

Die neue Vereinbarung enthält auch ein Bekenntnis zu den zehn Hochschulstandorten. Mehrere Abgeordnete lobten gerade dies in ihren Reden im Landtag.

Doch die Einrichtungen sollen stärker zusammenarbeiten. Tischner wies darauf hin, dass dafür auch Geld vorgesehen ist: im Jahr 2027 rund fünf Millionen Euro, aufwachsend auf rund neun Millionen Euro im Jahr 2031. Tischner sagte, man setze also nicht auf Kooperationen zum Nulltarif, sondern schaffe einen wachsenden Anreiz.

Warum sollen die Hochschulen effizienter werden?

Die Gründe liegen in einer unglücklichen Kombination aus Demografie, Kostendruck und der Altersstruktur beim Personal. Die Landesregierung rechnet mit steigenden Kosten in den kommenden Jahren. Zugleich ist erkennbar, dass die Studierendenzahlen sinken - Tischner sagte, dass es vor wenigen Jahren noch 50.000 Studierende gegeben habe, inzwischen seien es nur noch 44.000. "Darauf müssen unsere Hochschulen reagieren."

Hier dürfte auch der demografische Wandel eine Rolle spielen, der Thüringen immer härter trifft. Nicht zuletzt steigen die Pensionslasten der Hochschulen für das Personal, das in den Ruhestand wechselt.

Sind die Mittel des Landes für die Hochschulen ausreichend?

Daran gibt es im Kreis der Abgeordneten Zweifel. Eine verlässliche Finanzierung brauche mehr als eine lange Laufzeit, sagte der Linke-Fraktionsvorsitzende Christian Schaft. Angesichts der zu erwartenden Kostensteigerungen etwa beim Personal seien die Gelder nicht ausreichend. "Und die Folgen sind dann eben Einsparungen mit der Rasenmäher-Methode", sagte Schaft. Steffen Quasebarth von Thüringen.Gerecht sagte: "Wer gute Arbeit verspricht, der muss sie auch finanzieren." Auch Bildungsminister Tischner räumte ein: "Damit sind nicht automatisch alle künftigen Kostensteigerungen der Hochschulen ausgeglichen."

Was sagen die Abgeordneten zu den Plänen?

Schaft bezeichnete Hoffnungen, dass sich die Kosten der Hochschulen in erheblichem Umfang durch Kooperationen untereinander einsparen lassen würden, als unberechtigt. "Kooperation ist wichtig und Kooperation ist gewollt, aber sie lässt sich nicht herbeisparen."

Auch der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Lennart Geibert, machte deutlich, dass seine Fraktion noch Fragen zur geplanten Finanzierung an die Landesregierung hat. Zwar trage die Union grundsätzlich die Ausrichtung der neuen Vereinbarung mit. Unstrittig sei auch, dass sich die Hochschullandschaft verändern müsse. "Die Thüringer Hochschulen stehen dabei vor tiefgreifenden Veränderungen." Es müsse im zuständigen Ausschuss des Landtages aber geprüft werden, wie tragfähig angesichts steigender Kosten die Berechnungsmodelle des Ministeriums seien.

Der hochschulpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Jens Dietrich, sagte, aus seiner Sicht sollten den Hochschulen mit der neuen Rahmenvereinbarung zusätzliche Vorgaben gemacht werden, die entbehrlich seien oder für die es keine Rechtsgrundlage gebe. Dazu gehöre zum Beispiel die geplante Regel, nach der mindestens 30 Prozent der neu zu besetzenden Professuren mit Frauen besetzt werden sollen, "um dauerhaft mindestens den Bundesdurchschnitt beim Frauenanteil an Professuren zu erreichen".

Wie lange läuft die neue Vereinbarung?

Sie muss erst noch weiter im Bildungsausschuss beraten und dann auch noch von den Hochschulen unterzeichnet werden. Die Pläne sehen vor, dass die Vereinbarung bis 2034 läuft - und damit deutlich länger als die bisherigen Vereinbarungen. Die Finanzierung aber soll bis 2031 laufen - und dann für die nachfolgenden Jahre neu verhandelt werden.

Quelle: dpa

Regionales