ThüringenJustizassistenz: Thüringen bietet Nebenjobs für Referendare

Angehende Juristen sammeln praktische Erfahrungen und entlasten dabei Richter und Staatsanwälte: Von der Justizassistenz profitieren beide Seiten. Was hat es damit auf sich?
Jena (dpa/th) - Thüringen will mit einem Modellprojekt mehr junge Juristen und Juristinnen für eine Tätigkeit bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften im Freistaat gewinnen. Ab September sollen zunächst acht Stellen für sogenannte Justizassistentinnen und Justizassistenten am Landgericht Erfurt und bei der dortigen Staatsanwaltschaft ausgeschrieben werden, kündigte Justizministerin Beate Meißner (CDU) in Jena an. Damit werde ein neues Kapitel bei der Nachwuchsgewinnung in der Thüringer Justiz aufgeschlagen. Der Start ist für November geplant.
Die Justizassistenz erlaube Rechtsreferendaren schon während ihrer Ausbildung, zusätzliche berufliche Erfahrungen zu sammeln. Zugleich würden sie mit ihrer Nebentätigkeit Richter und Staatsanwälte durch unterstützende Tätigkeiten entlasten. Die Ministerin sprach von einer "Win-win-Situation". Dadurch könnten sich beide Seiten besser kennenlernen: Die Referendare erhielten einen vertieften Einblick in die praktische Arbeit, die Justiz gewinne zugleich potenzielle Bewerber für spätere Stellen.
Ziel ist Bindung nach Examen
Das Land will damit laut Meißner die Justiz als Arbeitgeber attraktiver machen und Nachwuchsjuristen nach dem zweiten Staatsexamen möglichst in Thüringen halten. "Der Kampf um die Nachwuchsjuristinnen und Nachwuchsjuristen in Deutschland wird wie in vielen anderen Branchen auch immer schwieriger." Justizassistenzen werden schon in anderen Bundesländern wie Sachsen angeboten.
Die acht Stellen dienten zunächst als Pilotphase. Sie soll voraussichtlich bis zum Jahresende genutzt werden, um die organisatorischen Abläufe zu erproben. Vorgesehen ist nach Worten der Ministerin die Schaffung von bis zu 20 solcher Stellen im Freistaat. Dafür stünden in diesem und im kommenden Jahr rund 2,7 Millionen Euro im Landeshaushalt bereit.
Einstellungen übertreffen erstmals Pensionierungen
Die Justizassistenz wird als vergütete Nebentätigkeit ausgeübt und ist von der eigentlichen Referendarausbildung unabhängig. Vorgesehen sind den Angaben nach höchstens 32 Arbeitsstunden im Monat - in der Regel vier bis acht Stunden pro Woche. Die Entlohnung für die Justizassistenten liege bei rund 30 Euro brutto pro Stunde und orientiere sich am Eingangsgehalt für den höheren Dienst. Die Tätigkeit umfasst unter anderem juristische Recherchen, die Erarbeitung von Entwürfen und Entscheidungsvorschlägen sowie das Erstellen von Fallsammlungen.
Die Zahl der Referendare ist der Ministerin zufolge in Thüringen zuletzt deutlich gestiegen - von 125 im Jahr 2024 auf voraussichtlich 231 in diesem Jahr. Erstmals seit langem habe es zudem 2026 mit 75 Neueinstellungen von Richtern und Staatsanwälten mehr Zuwachs als Pensionierungen (45) gegeben. Damit sei ein Trend gestoppt worden. Auf die Thüringer Justiz rollt in den nächsten Jahren eine riesige Ruhestandswelle zu.