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ThüringenKZ-Gedenkstätte Buchenwald gegen Radrennen-Streckenführung

04.08.2021, 16:29 Uhr
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(Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv)

Ist die "Blutstraße" zur Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar der richtige Ort für ein internationales Radrennen? Daran scheiden sich die Geister.

Weimar (dpa/th) - Rund um die zweite Etappe der internationalen Deutschland-Tour der Radprofis 2021 ist es zu Diskussionen und Änderungen gekommen. Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald kritisierte, dass die Rennfahrer über das Gelände auf dem Ettersberg bei Weimar fahren sollen sowie eine intransparente Planung. "Buchenwald ist keine sportliche Herausforderung, sondern ein Ort des Gedenkens an die Opfer und der historischen Reflexion", sagte Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner am Mittwoch. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Man sei erst vor drei Wochen von den Verantwortlichen über den Streckenverlauf auf dem Ettersberg informiert worden, sagte Wagner. In die seit dem vergangenen Jahr laufenden Planungen sei man nicht eingebunden worden. Nach Gesprächen mit den Tour-Verantwortlichen habe man "immerhin erreichen können, dass eine in der Gedenkstätte geplante Bergwertung gestrichen wurde". Es werde nun still durch die KZ-Gedenkstätte gefahren, trotz aller Kritik bleibe der Streckenverlauf über die sogenannte "Blutstraße" aber bestehen. Dies sei "kein Ort für eine Sportveranstaltung", twitterte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD). "Die Route des Radrennens muss geändert werden."

Laut "Bild"-Zeitung hatte sich auch der Zentralrat der Juden eingeschaltet und etliche Gespräche mit dem Veranstalter geführt. Dieser aber verteidigte den Streckenverlauf: Die Tour präsentiere die natürliche, kulturelle und historische Vielfalt der Republik. "Dass die Strecke in diesem Jahr an der Gedenkstätte vorbeiführt, entspricht diesem Anspruch." Die Strecke sei zudem seit langem geplant und behördlich besprochen und führe über öffentliche Straßen.

Die Tour leiste mit jungen Athleten aus 30 Ländern und der breiten Berichterstattung "einen Beitrag, dass Buchenwald im Gedächtnis der Menschen bleibt", hieß es aus dem Wirtschaftsministerium in Erfurt, das an der Planung beteiligt war und das Wagner laut "Bild" in diesem Kontext als "blind" bezeichnete.

"Wir bedauern, dass direkte Gespräche mit der Gedenkstätte Buchenwald seitens des Veranstalters nicht noch früher geführt wurden", ließ das Ministerium verlauten. Seit mehreren Wochen jedoch befinde sich der Veranstalter in konstruktiven Gesprächen mit der Gedenkstättenleitung. Vor diesem Hintergrund sei deren "mediale Kritik" überraschend.

Leider sei man via Info-Schreiben für Anrainer doch erst sehr spät über die Pläne informiert worden, hieß es vonseiten der Gedenkstätte. "Die Chance, einen angemessenen Diskurs darüber zu führen, wie man angemessen Erinnerung schafft, hat man so leider verpasst." In den Tagen vor der Tour wolle man nun in den sozialen Medien historisch über das Thema "Radsport und Buchenwald" informieren. So führte etwa eine Vorläuferin der Deutschland-Tour, die Deutschland-Rundfahrt, 1937, als Buchenwald gegründet wurde, schon einmal durch Weimar. Einige Radsportprofis wurden als Häftlinge nach Buchenwald verschleppt, andere waren Anhänger des NS-Regimes.

Die Deutschland-Tour der Radprofis soll vom 26. bis 29. August von der Ostsee unter anderem über Thüringen nach Franken führen. In das Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar hatten die Nazis zwischen 1937 und 1945 mehr als eine Viertelmillion Menschen aus verschiedenen Ländern verschleppt. Rund 56.000 Menschen wurden ermordet oder starben an Folter, Hunger oder Zwangsarbeit. Die sogenannte "Blutstraße" ist eine von Häftlingen bis 1939 in Zwangsarbeit ausgebaute Zufahrtsstraße zum Lager.

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