ThüringenKirchen stemmen sich gegen AfD-Vorstöße zu Staatsleistungen

Die Kirchen in Thüringen wehren sich gegen AfD-Pläne zur Streichung staatlicher Leistungen und betonen ihren Beitrag zum Gemeinwohl. Was wurde mit der Landesregierung besprochen?
Erfurt (dpa/th) - Die christlichen Kirchen in Thüringen haben sich gegen Bestrebungen der AfD zur Abschaffung staatlicher Leistungen an die Kirchen gewandt. Derartige Bedrohungen würden sehr ernst genommen, erklärten die Bischöfe nach ihrem turnusmäßigen Jahresgespräch mit der Landesregierung in Erfurt.
Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, verwies auf die kirchliche Arbeit für das Gemeinwohl, die durch die staatliche Unterstützung geleistet werde. Das Angebot reiche von Kindertagesstätten über Schulen bis zur sozialen Infrastruktur sowie Räumen für Begegnung und seelsorgerische Angebote. "Wir versuchen auch deutlich zu machen, das Verträge zu halten sind in einem Staat."
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sagte nach dem zweieinhalbstündigen Treffen, politische Forderungen nach einer Streichung von Staatsleistungen schwächten den Zusammenhalt im Freistaat und die Unterstützung für die Menschen. Das Land stehe zu seiner Verpflichtung.
In Thüringen stehen in diesem Jahr den Angaben nach rund 23,8 Millionen Euro für die evangelische und etwa 7,3 Millionen Euro für die katholische Kirche zur Verfügung.
Die AfD strebt sowohl in Thüringen als auch in Sachsen-Anhalt eine Abschaffung oder Neugestaltung der Staatsleistungen an die Kirchen an. Die Thüringer AfD-Fraktion scheiterte in diesem Juni mit einem Antrag zur Streichung der jährlichen Staatsleistungen im Landtag.
Das Wahlprogramm der AfD für Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September sieht vor, die Staatsleistungen künftig proportional zur Mitgliederzahl auf alle christlichen Kirchen zu verteilen und ihre Verwendung auf geistliches Personal und Gebäudeerhalt zu beschränken.
Kirchen als Brücke für die Integration von Zugewanderten
Mit Blick auf die Migration hoben die Kirchenvertreter die Rolle der Kirchen bei der Integration hervor. Es müsse dafür Sorge getragen werden, dass Menschen aus anderen Ländern sich in ihrem sozialen Umfeld wohlfühlten, betonte der Bischof des Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr.
In den Gemeinden gebe es Angebote für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen - etwa Gottesdienste mit ihren Liedern und Traditionen, interkulturelle Gemeindefeste sowie eine stärkere Berücksichtigung verschiedener kultureller Hintergründe in Kindergärten.
Zum Mitgliederschwund bei den Kirchen sagte Neymeyr, es müssten neue Strukturen entwickelt werden. Die katholische Kirche wolle in ganz Thüringen präsent bleiben und das ehrenamtliche Engagement stärker einbinden. Laut Ministerpräsident Voigt sind die katholische und evangelische Kirche mit rund 500.000 Gläubigen im Freistaat derzeit breit verwurzelt.