ThüringenMit Schock und Druck: Telefonbetrug in Thüringen

Ein Anrufer setzt eine Seniorin so unter Druck, dass sie Betrügern eine hohe Summe überlässt. Ein anderer Anrufer gibt vor, einer Bankkundin helfen zu wollen. Was die Polizei in solchen Fällen rät.
Erfurt (dpa/th) - Betrüger haben in den vergangenen Tagen Menschen in Thüringen mit verschiedenen Maschen übers Telefon um viel Geld gebracht.
In einem Fall hat ein unbekannter Mann eine 82-Jährige in Erfurt angerufen, sich als Arzt ausgegeben und erklärt, Geld für Medikamente aus dem Ausland zur dringenden Behandlung einer Angehörigen zu benötigen. In einem laut Polizeimitteilung "überzeugenden Gespräch" erzeugte der Betrüger Zeit- und Handlungsdruck. Die Frau habe schließlich am Freitag einen fünfstelligen Geldbetrag an einen Unbekannten übergeben, der vor ihrem Haus wartete.
Ärzte und Krankenhäuser forderten niemals telefonisch Bargeld für Behandlungen, betonte die Polizei. "Im Zweifel sollten Angehörige kontaktiert und die Polizei über den Notruf informiert werden."
Falscher Bankmitarbeiter
In Weimar wiederum meldete sich ein Anrufer bei einer 60-Jährigen und gab sich als Bankmitarbeiter aus. Um vermeintlich unberechtigte Abbuchungen von ihrem Konto rückgängig zu machen, sollte die Frau am Freitag eine Transaktion in ihrer Banking-App bestätigen. Damit gab die Betroffene aber laut Polizei eine Überweisung in Höhe von mehr als 6.500 Euro für einen unbekannten Empfänger frei. Im Verlauf des Gesprächs sei die Frau misstrauisch geworden und habe Anzeige bei der Polizei erstattet. Wie die Täter sich Zugriff auf das Online-Banking verschaffen konnten, sei bislang ungeklärt.
Die Beamten mahnten, am Telefon grundsätzlich keine geheimen Zugangsdaten oder TANs für Überweisungen zu nennen. Bei Anrufen vermeintlicher Bankmitarbeiter sollten Angerufene selbst über die offizielle Telefonnummer ihre Bank kontaktieren.
Das empfiehlt die Polizei
Die Polizei warnt immer wieder vor verschiedenen Maschen des Telefonbetrugs. Sogenannte Schockanrufe gehören laut der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes zu den häufigsten Betrugsmaschen.
Häufig suchten sich die Täter dafür gezielt ältere Menschen als Opfer aus. Ihnen tischten sie dann oft Geschichten über gesundheitliche, rechtliche oder finanzielle Notfälle von Angehörigen auf. So setzten die Täter die Opfer emotional und zeitlich unter Druck. Oftmals gäben sich die Anrufer als Polizisten oder andere Amtspersonen, Juristen oder Bankmitarbeiter aus.
Zu den Tipps, wie mit solchen Anrufen umzugehen ist und wie ihnen vorgebeugt werden kann, gehören:
Direkt auflegen und sich sammeln und eine Vertrauensperson unter bekannter Telefonnummer anrufen.
In keinem Fall sollten persönliche Informationen weiter- oder Geld und Wertgegenstände an Unbekannte übergeben werden.
Sich an die Polizei wenden, wenn ein Anruf verdächtig wirkt.
Mit Angehörigen und Freunden ein Kennwort zur Identifizierung am Telefon vereinbaren
Im Telefonbucheintrag den Vornamen kürzen oder streichen lassen: Täter orientieren sich an Vornamen, die für die Generationen älterer Menschen typisch sind.