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ThüringenNatur und Erfolgserlebnis: Zahl der Anglerinnen steigt

11.08.2026, 05:29 Uhr
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(Foto: Jacob Schröter/dpa)

Wenngleich der Anteil von Frauen beim Angeln nach wie vor gering ist, sind auch in Thüringen immer mehr Anglerinnen an den Gewässern unterwegs. Tendenz steigend. Was Frauen an dem Hobby finden.

Erfurt/Tambach-Dietharz (dpa/th) - Wenn Lilli Langbein nach ihrem Lieblingsfisch gefragt wird, muss die junge Anglerin nicht lange überlegen: "Eindeutig die Schleie. Die Tiere sehen toll und sind nicht ganz so leicht zu fangen – man muss geduldig sein, um da Erfolg zu haben." Und obwohl das Erfolgserlebnis bei einem Fang natürlich auch wichtig sei, mache für sie das Gesamterlebnis den Reiz des Hobbys aus: Draußen in Ruhe am Wasser zu sein und eine Auszeit zu erleben.

Früher war Angeln eine Männerdomäne

Lilli Langbein ist nicht die einzige Frau, die die frühere Männerdomäne Angeln für sich entdeckt hat. "Immer mehr Mädchen und Frauen finden Interesse am Angeln und sind mitverantwortlich für den stetigen Mitgliederzuwachs unseres Verbandes", erklärt André Pleikies, Geschäftsführer im Landesanglerverband Thüringen.

In den 256 Vereinen, die im Verband organisiert seien, gebe es mittlerweile rund 1.400 Frauen, die aktiv angelten. Angesichts einer Gesamt-Mitgliederzahl von etwa 22.000 scheint das zunächst nicht viel – allerdings müsse man auch die historische Entwicklung betrachten, so Pleikies. "Vor 20 Jahren lag der Frauenanteil noch bei etwa drei Prozent, früher galt das Angeln ausschließlich als Männerdomäne."

Seitdem habe sich der Anteil von Frauen also verdoppelt - mit weiter steigendem Trend. Sofern man auch die nicht in Vereinen engagierten Anglerinnen mitzähle, gingen schätzungsweise 2.500 Frauen und Mädchen im Freistaat regelmäßig angeln.

Auch bei Wettbewerben mehr Frauen

Eine wichtige Rolle bei diesem Trend spielt dem Verband zufolge die Jugendarbeit. Holm Ender ist Jugendwart beim Angelverein SFV 1970 Tambach Dietharz und der Vater von Lilli Langbein. In der 2013 wieder ins Leben gerufenen Jugendgruppe war seine Tochter von Anfang an dabei – damals in Thüringen eine absolute Ausnahme.

"Heute haben wir im Schnitt zwei bis drei Mädchen in der Jugendgruppe, die meist aus zehn Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren besteht", so Ender. Die Nachfrage nach einer Mitgliedschaft in der Jugendgruppe sei größer als das Angebot, das der kleine Verein realisieren könne. Auch an den Wettbewerben, unter anderem beim Casting-Sport, bei dem es um Weit- und Präzisionswürfe mit der Angel geht, steige der Frauenanteil stetig an. "Inzwischen braucht man einiges an Übung, um in den Frauenwettkämpfen einen Platz zu machen."

Stippangeln – ohne größeren Aufwand und Technik

Lilli Langbein selbst wurde von ihrem Vater vom Angelvirus angesteckt, erzählt sie. So gebe es Kinderfotos von ihr, auf denen sie schon mit vier Jahren mit einer Angel in der Hand zu sehen sei. "Aber ich hatte auch schon immer ein großes Interesse an der Natur und an Gewässern – und der Frage, was unter der Oberfläche und um die Flüsse und Seen herum alles so lebt."

Ihre favorisierte Angeltechnik ist das Stippangeln, das ohne Rolle und aufwendige Technik auskommt und im Prinzip nur aus einer Rute mit daran fixierter Schnur besteht. Der Grund für diese Vorliebe: Im Gegensatz zu anderen Techniken, mit denen man meist gezielt auf bestimmte Fischarten abzielt, könne man beim Stippen nie genau wissen, welcher Fisch an den Köder ginge. Von Weißfischen über Karpfen bis hin zur Forelle sei schon alles dabei gewesen, so Langbein. Sogar einen Hecht habe sie mit dieser Technik bereits an Land gezogen. "Ich nenne das Stippangeln deshalb gerne 'Wundertüte'. Weil man vorher nie genau wissen kann, was man fängt."

Trotz Interesse manchmal Zurückhaltung

Negative Erfahrungen habe sie als Frau in der einstigen Männerdomäne bisher keine gemacht. Und tiefgreifende Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Anglern gebe es ebenfalls nicht, sind sich alle Befragten einig. Die Wahl der Technik, des Equipments und der Angelorte und andere Vorlieben und Abneigungen – wie etwa das Ausnehmen der Fische – seien sehr individuell. Sie richteten sich eher nach der jeweiligen Persönlichkeit als nach dem Geschlecht.

"Ich habe das Gefühl, dass Mädchen oft noch sehr zurückhaltend sind, wenn es darum geht, selbst die Angel in die Hand zu nehmen", so Langbein. Diese Beobachtung habe sie oft bei Schnupperkursen für Jugendliche gemacht. Während Jungs wenig Berührungsängste mit dem Thema hätten, stünden Mädchen oft daneben – selbst wenn sie sich eigentlich dafür interessierten. "Ich hoffe, dass sich mehr Frauen und Mädchen trauen, dieses Hobby auszuprobieren. Besonders, wenn sie Interesse an der Natur mitbringen, lohnt es sich."

Quelle: dpa

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