Regionalnachrichten

ThüringenTag der offenen Moschee in Erfurt mit neuem Imam

03.10.2026, 16:43 Uhr
image

Wie der Tag der offenen Moschee in Erfurt Vorurteile abbauen soll – und warum der neue Imam den Austausch für besonders wichtig hält.

Erfurt (dpa/th) - Der Tag der offenen Moschee hat etliche Besucher in das Gotteshaus der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt gelockt. "Bis jetzt hatten wir gut 100 Besucher", sagte Imam Zischan Mehmood. Manche der Gäste seien zum ersten Mal in eine Moschee gekommen. "Und manche sagten, dass sie zum ersten Mal überhaupt mit einem Muslim sprechen."

Mit Blick auf solche Begegnungen wertete der Imam den Tag der offenen Moschee als Erfolg. "Das ist Sinn und Zweck dieses Tages: Vorurteile abzubauen, indem Menschen sich selbst ein Bild machen können." Er räumte aber auch ein: "Es gibt immer noch sehr viele Menschen, die einfach diesen Schritt nicht machen, nicht ins Gespräch kommen möchten und die Mauer der Vorurteile nicht brechen wollen."

Die Moschee im Ortsteil Marbach wurde im Februar nach jahrelanger Bauzeit und andauernden Anfeindungen in einem kleinen Gewerbegebiet eröffnet. Es ist Thüringens erster Moschee-Neubau. Gegner des Baus hatten etwa in der Nähe des Baugeländes große Holzkreuze und Holzspieße mit Schweinekadavern aufgestellt.

Moschee offiziell im Februar eröffnet, neuer Imam seit einem Monat

Zischan Mehmood ist seit etwa einem Monat der neue Imam in Erfurt. Der Wechsel von Gemeinden sei üblich und gehöre für Imame dazu, erklärte er. Zuvor war er etwa Imam in Aschaffenburg: Damals wurde er für seine Rede bei der Trauerfeier nach einem tödlichen Messerangriff auf einen kleinen Jungen und einen Mann in der Stadt in Bayern bekannt.

Täglich kommen Gemeindemitglieder zum Gebet ins Gotteshaus. An den wichtigen Freitagsgebeten nehmen Mehmood zufolge durchschnittlich etwa 50 Gemeindemitglieder teil.

Dass sie ihren Glauben überhaupt frei leben können, sei derweil keine Selbstverständlichkeit, betonte der Sprecher der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde, Suleman Malik. So würden etwa Glaubensgeschwister in Pakistan verfolgt. Anfang September hatten auch Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen an Pakistan appelliert, der Diskriminierung und Gewalt gegen die Ahmadis ein Ende zu setzen.

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft hat weltweit Anhänger, diese bilden häufig aber auch in islamisch geprägten Ländern eine Minderheit. Die Bewegung ist bei anderen muslimischen Gruppen teils umstritten, oder nicht anerkannt, wird teils ausgegrenzt und verfolgt.

Quelle: dpa

Regionales