Reise

Im ewigen Eis von Island Das leise Schmelzen im Langjökull-Gletscher

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Karte für die "Into the Glacier"-Tour.

Sonja Gurris

Island ist zu elf Prozent von Gletschern bedeckt. Im Westen des Landes können Besucher einen Gletschertunnel durchwandern. Die Tour durch den Langjökull ist Abenteuer und Klimaschutz-Bildung in einem. Das Schmelzen des Eises ist ein Warnsignal.

Ein wortkarger junger Isländer fährt den alten Mercedes-Bus, vermutlich aus den 60er-Jahren, vom kleinen Ort Husafell hoch in die Gletscherregion. Der Bus rollt, wummert und lärmt und hat immer mehr zu tun. Er muss Höhenmeter machen. Binnen zehn Minuten verändert sich die Landschaft vom braun-beige-orangefarbenen Herbst Westislands hin zu einer echten Winterlandschaft. Es scheint fast so, als habe jemand mit einem schnellen Knopfdruck die Jahreszeit verändert. Der Bus hält an. Dann das Kommando: "Hier steigen alle aus, nun steigt ihr in den Eis-Truck um, der viel besser durch den Schnee den Berg hinauf zum Gletscher kommt." Und da ist er, der "Monstertruck", wie er liebevoll genannt wird. Ein umgebautes ehemaliges Nato-Fahrzeug aus dem Kalten Krieg.       

Informationen Island:

Neben dem Gletschertunnel können Urlauber auch eine Lavahöhle besuchen. Mehr Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Touren und Hintergrundwissen erhalten Islandreisende auf den Websites von Promote Iceland und West-Island Die Low-Cost-Airline WOW-Air fliegt ab Deutschland direkt nach Island. Bustouren und Ausflüge können unter anderem bei Gray Line gebucht werden.

Kurze Zeit später soll er die Besucher direkt auf den Gletscher fahren. Doch zuvor: Einmal ankleiden bitte. Mit extra wasserfestem Overall sieht man aus wie ein Michelin-Männchen. Wenn's hilft. 30 Minuten Fahrt mit dem Eistruck, dann liegt mitten in einer weißen Landschaft ein halbrunder Tunneleingang. Es ist der Eingang zum begehbaren Tunnel im Langjökull-Gletscher. "Into the Glacier" heißt die Tour. Der Weg wurde 2014 ins Eis gehauen. Tourguide Auske instruiert die Gruppe: "Ihr müsst ein bisschen wie Pinguine laufen", nachdem sich alle erst einmal Schuhspikes anziehen mussten, damit die Eistour nicht auf dem Hosenboden endet. Langsam, eben wie langsame Pinguine, watscheln die Besucher aus aller Welt los. Die indirekte Beleuchtung des schmalen Tunnels gelingt mittels LED-Leuchten und bringt eine schaurig-schöne Atmosphäre.

Unter Schnee und Eis

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Im Tunnel spürt man den Klimawandel hautnah.

(Foto: Sonja Gurris)

"Wir sind hier 20 Meter unter dem Schnee und ihr könnt das Wasser tropfen hören. Mitte Juli kann es hier ziemlich stark drin regnen - wasserfeste Kleidung ist also ziemlich wichtig hier drin." Einige 100 Meter ist der Tunnel lang. Der Tourguide erklärt immer wieder, wie sensibel die isländischen Gletscher sind. Im Gletschertunnel gibt es einige kleine Räume, die auch für Veranstaltungen wie Konzerte genutzt werden. Ein Raum wird "kleine Eiskapelle" genannt. Das hat natürlich auch viel Romantisches, wie Auske berichtet: "Hier haben schon Bräute in dünnen weißen Kleidern gestanden und alle anderen in dicken Jacken. Und hier sind auch schon viele Männer spontan auf die Knie gegangen und haben ihren Freundinnen Ringe angesteckt - das hier ist der Liebestunnel", sagt er und die Gruppe lacht.      

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Der "Monstertruck" im Einsatz.

(Foto: Sonja Gurris)

Im Tunnel gibt es Wasser, das sich den Weg durch den Gletscher sucht und damit 200 Meter (bis zum Grund des Gletschers) überwindet. Danach fließt es unterhalb des Gletschers in Seen, Flüsse und Wasserfälle. Bei den Erklärungen von Auske wird einem bewusst, wie alt die Umgebung ist. "Und dieser Gletscher hier erneuert sich alle 300 Jahre neu, das älteste Eis unten ist also 300 Jahre alt." Das Wasser tropft leise von der Decke. Es ist ein mehr als symbolisches Geräusch.

Klimaerwärmung zu spüren

"Wenn wir diesen Tunnel nun schließen würden, dann würden wir hier ein paar Holzbänke, Poster und LEDs mitnehmen - und wenn wir dann in 10 bis 15 Jahren hier wären, dann würdet ihr nichts mehr vom Eistunnel sehen. Es wäre nichts mehr da." 

In diesem Moment wird die Gruppe ganz ehrfürchtig. Die Klimaerwärmung spürt man in einem solchen Moment, mitten im Gletscher, so sehr wie wohl nie zuvor. Wer leise ist und das Wasser im Gletscher tropfen hört, der weiß, warum man sich um den Klimaschutz sorgen muss. Da muss Auske gar nicht mehr anhand einer Karte erklären, wie stark die Gletscher schmelzen. Das akustische Signal reicht bereits aus - und hallt eindringlich in den Ohren.

Quelle: n-tv.de

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