Fußball-WM 2019

Das WM-Finale im Schnellcheck US-Team triumphiert, jetzt droht Trump

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Finaltorschützinnen unter sich: Megan Rapinoe (links) gewann nicht nur den Titel, sondern auch den Goldenen Schuh als beste Torschützin des Turniers.

(Foto: REUTERS)

Die USA werden ihrer Favoritenrolle im Endspiel der Fußball-WM gerecht. Zwar wehren sich die Niederländerinnen stark, am Ende hat das Turnier aber einen würdigen Sieger. Spannend wird nun aber die Frage: Wie unwürdig verhält sich ihr Präsident?

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2019 ist mit einem Finale zu Ende gegangen, das das Turnier noch einmal in 90 Minuten zusammengefasst hat: Der Topfavorit USA gewinnt. Superstar Megan Rapinoe trifft. Der Videoassistent greift natürlich ein - und erhöht die Entscheidungsqualität.

Was ist im Parc Olympique Lyonnais in Lyon passiert?

Knapp 60.000 Zuschauer erlebten ein überraschend enges Spiel auf einem trotz der hohen Temperaturen vor allem physisch überragenden Niveau. Die Niederländerinnen setzten den US-Frauen, die nun exakt die Hälfte aller bisher ausgespielten Weltmeisterschaften gewonnen haben, lange enorm zu. Dass am Ende der verdiente Titelträger jubeln durfte, ist auch dem VAR zu verdanken: Das 1:0 durch den Elfmeter nach Videobeweis war der Dosenöffner, der das Endspiel entschied.

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Die WM geht nun aus Sicht der US-Frauen in eine spannende Verlängerung: Nachdem Kapitänin Rapinoe angekündigt hatte, im Falle des Titelgewinns auf keinen Fall einer Einladung ins "fucking White House" zu folgen, hatte Präsident Trump das Team in einer trotzigen Twitter-Tirade ausdrücklich zu sich eingeladen (die ganze Geschichte lesen Sie hier!) Wer fährt also hin? Oder wer bringt es ihm bei, dass keine kommt?

Hier geht es zum Spielbericht.

Teams & Tore

Tore: 1:0 Rapinoe (61., Foulelfmeter nach Videobeweis), 2:0 Lavelle (69.)
USA:
Naeher - O'Hara (ab 46. Krieger), Dahlkemper, Sauerbrunn, Dunn - Mewis, Ertz, Lavelle - Heath (ab 87. Lloyd), Morgan, Rapinoe (77. Press). - Trainerin: Ellis.
Niederlande: van Veenendaal - Bloodworth, Dekker (ab 73. van de Sanden), van der Gragt, van Lunteren - Spitse, van de Donk, Groenen - Martens (ab 70. Roord), Miedema, Beerensteyn. - Trainerin: Wiegman.
Schiedsrichterin: Stephanie Frappart (Frankreich)
Zuschauer: 57.900

Das WM-Finale im Spielfilm:

1. Minute: Den Niederländerinnen gelingt der erste Teilerfolg: Der Außenseiter gewinnt die Seitenwahl. Wenig später sind dann zwei Bälle im Spiel, was eine schlechte Nachricht für die Spielerinnen in Oranje ist: Mehr Bälle, mehr Arbeit. Aber sie klären beide souverän. So darf es doch weiter gehen.

10. Minute: Die erste gelbe Karte dieses WM-Finals geht früh an die Niederlande: Sherida Spitse erwischt Rose Lavelle, die anschließende Freistoßhereingabe ist dann alles andere als spitze, Oranje klärt.

16. Minute: Bitterer Auftakt für die USA, zweiter Teilerfolg für Oranje: Zum ersten Mal in diesem Turnier gelingt dem Favoriten kein Tor in der Anfangsviertelstunde. Und auch wenn das aufgeregte, lautstarke Publikum anderes andeutet: Es war nicht einmal knapp.

23. Minute: Die Niederländerinnen schaffen es gut, die US-Offensive auszubremsen. Und was an Flanken, Flankenversuchen und Verzweiflungsschlägen in Tornähe segelt, kassiert Torhüterin Sari van Veenendaal bemerkenswert sicher.

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28. Minute: Die erste große Chance für die USA: Eine Ecke von links landet unter ungeklärten Umständen bei Julie Ertz, die im Fallen abzieht – und an van Veenendaal und fehlender Präzision scheitert.

36. Minute: Dominique Bloodworth rempelt Alex Morgan um und was sich nach einem Unfall unter US-Nationalspielerinnen anhört, war tatsächlich ein Zweikampf im Oranje-Strafraum. Und entgegen des Trends bleibt der VAR stumm. Warum eigentlich?

40. Minute: Das geht nicht mehr lange gut: Erst verpasst van Veenendaal eine Rapinoe-Flanke, dann verhindert die Torhüterin einen Treffer mit Hilfe des rechten Pfostens. Und dann, als sich die Aufregung etwas gelegt hatte, quittiert sie eine starke Einzelleistung von US-Star Morgan mit einer Glanzparade.

Halbzeit: Die Niederländerinnen schaffen es etwas überraschend, dem großen Favoriten die Stirn zu bieten. Das US-Team kann aus seinem Ballbesitz von knapp 70% zwar ein paar Halbchancen kreieren, mehr aber auch nicht. 2015, als die USA das WM-Finale gegen Japan gewannen, hatte es schon nach 16 Minuten 4:0 gestanden. Von einer frühen Entscheidung sind wir hier meilenweit entfernt.

54. Minute: Zur Halbzeit musste Kelley O´Hara nach einer Kopfkollission mit Oranje-Star Lieke Martens in der Kabine bleiben, nun muss Becky Sauerbrunn mit einer blutenden Kopfwunde behandelt werden – und kehrt mit Kopfverband zurück aufs Feld.

59. Minute: Und jetzt meldet sich der VAR: Stefanie van der Gragt rauscht mit ganz hohem Bein in Morgan rein. Zuerst entscheidet sich die Schiedsrichterin für Eckball, der 33. VAR-Eingriff bei diesem Turnier ermöglicht aber die richtige Entscheidung: Elfmeter USA. Mit Verzögerung läuft Rapinoe an und …

62. Minute: TOOOOOOOOR FÜR DIE USA – 1:0, MEGAN RAPINOE! … bleibt eiskalt und verlädt van Veenendaal. Die Führung für den Favoriten.

70. Minute: TOOOOOOOOR FÜR DIE USA – 2:0, ROSE LAVELLE! Ein Tor, das würdig ist, ein WM-Finale zu entscheiden: Rose Lavelle wackelt vor dem Strafraum zwei Gegenspielerinnen aus, die ihr zu viel Platz lassen, nimmt kurz den Kopf hoch – und schießt ganz überlegt ein.

76. Minute: Dass das Spiel eine Viertelstunde vor Schluss noch nicht entschieden ist, liegt vor allem an Sari van Veenendaal. Die Torhüterin macht ein großes Spiel und verhindert in kurzen Abständen den endgültigen K. o. der Niederländerinnen.

79. Minute: Die WM 2019 ist für Megan Rapinoe beendet: Die vielleicht prägendste Spielerin dieses Turniers darf vom Feld und wird ausgiebig beklatscht. Sechs Treffer, darunter einer im Finale und viel, viel Aufmerksamkeit für Themen außerhalb des Sports sind eine bemerkenswerte Bilanz.

87. Minute: Carli Lloyd darf auch noch auf den Platz – und damit ganz viel Erfahrung: Die Ex-Kapitänin, im WM-Finale 2015 dreifache Torschützin, kommt zu ihrem 275.(!) Länderspiel.

90. Minute: Und dann ist Schluss.

Was war gut?

Die Niederländerinnen hatten zu Beginn eine gute Idee. Mit gewaltiger körperlicher Robustheit, nicht aber übertrieben aggressiv, stemmten sie sich gegen die amerikanischen Angriffe. Die kamen, natürlich, manche waren auch gefährlich. Aber viel von dem erwarteten Druck, den die US-Stars Rapinoe über links und Alex Morgan in der Mitte, ausübten, nahmen die Niederländer mit ihrem laufintensiven und hohen Pressing weg. Viele Flanken landeten im Aus, anderen in die Armen von van Veenendaal (alle Vokale stehen übrigens an der richtigen Stelle). Die war auch da, als die Amerikanerinnen das Tempo erhöhten und die Niederländerinnen Probleme bekamen. Mit überragenden Paraden verhinderte sie gegen Julie Ertz einmal und Morgan zweimal den Rückstand. Vor allem gegen den Distanzschuss der Stürmerin in der 40. Minute flog sie titanesk in die linke untere Eck, um das Geschoss zu entschärfen. Bei den Gegentoren durch Rapinoe (61. Elfmeter) und Lavalle (69.) gab's indes nicht zu titanisieren – die Schüsse waren einfach zu gut. Ihre Paraden danach gegen erneut zweimal Morgan und Crystal Dunn auch. Sie halfen aber nichts mehr.

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Was war gut (II)?

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Ruhe und Beharrlichkeit, sich die Amerikanerinnen nicht von ihrem Weg zum vierten Stern abbringen ließen. So ein paar wackelige Momente vor der Pause können eine Mannschaft an der Tauglichkeit ihres Matchplans schon mal zweifeln lassen. Nicht aber die Crew um Rapinoe. Immer mehr Druck, immer wieder Angriffe über die Seiten, vor allem über links, immer wieder zermürbende Pässe in die Tiefe – und dann halt ein berechtigter, vom VAR genehmigter Elfmeter. Dass die Niederländer danach luftiger verteidigten – weil sie es mussten (wegen der Chance auf den Titel) und weil sie müder wurden (es war ziemlich heiß) - kam den USA entgegen. Allerdings waren ihre Konter in etwa so tauglich wie römische Angriffe auf gallische Dörfer.

Und so fand es unsere Kollegin Anja Rau im Stadion:

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Was für eine würdige Final-Kulisse in Lyon! Schon Stunden vor dem Anpfiff sind die Straßenbahnen aus der Stadt völlig überfüllt, bei 32 Grad Außentemperatur machen sich verschwitzte, aber blendend gelaunte Fans auf den Weg zum letzten Spiel dieser Weltmeisterschaft. Völlig in Orange gekleidet, mit Fahnen bemalt, mit Glitzerperücken geschmückt – das WM-Finale der Fußball-Weltmeisterschaft erscheint als allerbeste Kostümparty. Ob Amerikaner oder Niederländer oder Franzosen, sie singen, sie tröten, sie hüpfen – auch auf dem 15-minütigen Fußmarsch von der Haltestelle zum Einlass. Im Stadion geht die Party dann direkt weiter. Von rechts schallt die nimmermüde Trompete der Oranje-Partycrew, von links brüllen die US-Fans unterstützt von ihren Trommeln. 90 Minuten schwappen Oooohs und Aaaahs auf und ab, mit jeder Strafraumszene wird die Geräuschkulisse ohrenbetäubend. Als Rapinoe und Lavelle schließlich die USA zum Titel schießen, hält es kaum einen der 57.900 Fans auf den Sitzen. Die völlig durchdrehenden Amis nicht, aber auch die Fans der „Oranjeleeuwinnen“ geben weiter alles für ihr Team. Einzig, es reicht nicht. Der alte Weltmeister ist der neue. Und die Euphorie der Fans kennt keine Grenzen mehr.

Die Stimmen der Siegerinnen:

"Es ist surreal, unglaublich. So viele Leute haben so viel in dieses Team investiert", sagte die überglückliche Rapinoe bei FOX, "ich weiß nicht, wie ich mich gerade fühlen soll." Nationaltrainerin Jill Ellis lobte ihre Schützlinge: "Es sind wunderbare Spielerinnen und noch bessere Menschen. Sie haben Geschichte geschrieben."

Der Trump-Tweet zum Spiel

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Quelle: n-tv.de

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