Collinas Erben

"Collinas Erben" sagen: Pech Wie "Eberhard" Hannover 96 ein Tor klaute

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Schnee sei Dank: Hannovers Genki Haraguchi hat den Ball aufs leere Leverkusener Tor geschossen. Hinein ging er nicht.

(Foto: www.imago-images.de)

In Hannover wirft die Rückkehr des Winters einige Fragen auf, die der Schiedsrichter alle korrekt beantwortet. Dafür, dass Schnee vor dem Tor liegt, kann er nichts. In Sinsheim und Dortmund liegt der Video-Assistent goldrichtig, in Bremen dagegen lässt er die Schalker unzufrieden zurück.

Das Sturmtief "Eberhard" beeinträchtigte am Sonntag hierzulande nicht nur den Verkehr, sondern auch den Fußball. In den Amateurklassen fielen mancherorts Partien aus, weil orkanartige Böen einfach kein reguläres Spiel zuließen, umgeknickte Bäume das Spielfeld unbenutzbar machten oder Gegenstände auf den Platz geweht wurden. In manchen Gegenden brachte das Tief außerdem heftigen Schneefall mit sich, etwa in Niedersachsen, wo er kurz vor dem Beginn der Bundesliga-Begegnung zwischen Hannover 96 und Bayer 04 Leverkusen (2:3) einsetzte und das Spielfeld rasch weiß werden ließ. In dieser Situation stellten sich dem Schiedsrichter einige Fragen, vor allem regeltechnischer Natur:

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    Immerhin: Der Ball war rot. Mitchell Weiser und Hendrik Weydandt haben ihn mehr oder weniger im Blick.

    (Foto: www.imago-images.de)

    Waren die äußeren Bedingungen überhaupt noch regulär? Das hatte einzig und allein der Schiedsrichter zu entscheiden. Und Sören Storks kam nachvollziehbar zu dem Schluss: Der Platz war weiterhin bespielbar, das Verletzungsrisiko für die Spieler nicht unannehmbar stark erhöht. Auch der Ball rollte weitgehend ungehindert - abgesehen von der 33. Minute, als der Hannoveraner Genki Haraguchi den Leverkusener Schlussmann Lukas Hradecky umkurvte und die Kugel auf das leere Tor schoss. Kurz vor der Torlinie blieb sie liegen, Jonathan Tah konnte die Situation bereinigen. Das war großes Pech für die Gastgeber, denn bei anderen Platzverhältnissen wäre der Ball über die Linie gerollt. Ein Grund, das Spiel abzubrechen, war das aber nicht.
  • Dürfen die weißen Spielbälle gegen farbige ausgetauscht werden? Ja, denn in den Regeln ist die Farbe des Balles nicht vorgeschrieben. Also ließ der Unparteiische in Hannover bald mit einer roten Kugel spielen. Bevor diese eingesetzt werden konnte, musste allerdings die Torlinientechnik flugs neu kalibriert werden, denn sie ist auf die weißen Bälle eingestellt. Deshalb war das Spiel für einen Moment unterbrochen.
  • Was geschieht, wenn die Linien auf dem Feld nicht mehr erkennbar sind? Dann sind "acht Hilfsflaggen zur Kennzeichnung der Strafräume einen Meter außerhalb der Begrenzungslinien aufzustellen", wie es in der Regel 1 (Das Spielfeld) heißt, also vier auf jeder Seite, um die Strafraumgrenzen abzustecken. Statt Flaggen "sind auch sogenannte Hütchen zugelassen". Diese wurden in Hannover tatsächlich verwendet, allerdings haben sie den Nachteil, nur eine grobe Orientierung zu bieten. Deshalb unterbrach Storks mehrmals das Spiel, damit Helfer die Linien freiräumen konnten.
  • Was wäre geschehen, wenn die Partie hätte abgebrochen werden müssen? Wird ein Spiel ohne Verschulden beider Mannschaften vom Unparteiischen vorzeitig beendet, beispielsweise aus Witterungsgründen, dann "ist es an demselben Ort zu wiederholen" – und zwar komplett. So steht es kurz und knapp in der Rechts- und Verfahrensordnung des Deutschen Fußball-Bundes. Anders als in anderen Ländern und bei internationalen Wettbewerben gibt es in Deutschland keine Teilwiederholungen. Das heißt: Auch im Falle eines Abbruchs beim Stand von 3:0 nach 70 Minuten ginge es wieder bei null los.

Hoffenheimer Elfer revidiert, Dortmunder Elfmeter nachgeholt

Wesentlich besser waren die Witterungs- und Platzverhältnisse zuvor in der Partie zwischen der TSG Hoffenheim und dem 1. FC Nürnberg (2:1). Dass der Hoffenheimer Andrej Kramaric nach vier Minuten im Zweikampf mit Ewerton im Nürnberger Strafraum zu Boden ging, lag dann auch nicht daran, dass er ausgerutscht wäre. Gefoult hatte ihn der Innenverteidiger der Gäste allerdings ebenfalls nicht. Dennoch gab Schiedsrichter Christian Dingert einen Elfmeter, den er jedoch nach einem On-Field-Review, zu dem ihm sein Video-Assistent geraten hatte, wieder zurücknahm. Zwar war er nicht davon überzeugt, dass Kramaric eine "Schwalbe" produziert hatte, obwohl der Stürmer der Gastgeber bereits zum Sturz angesetzt hatte, bevor ihn das ausgestreckte Bein von Ewerton hätte treffen können. Aber nach den Bildern stand für den Referee jedenfalls fest: Ein Vergehen des Nürnbergers lag hier nicht vor. Und das war das Wichtigste.

Auch beim 3:1 der Dortmunder Borussia gegen den VfB Stuttgart griff der Video-Assistent ein. Der Stuttgarter Gonzalo Castro hatte den Ball nach einer Stunde außerhalb des eigenen Strafraums mit der Hand gespielt und war dann innerhalb auf den Fuß von Jadon Sancho getreten. Referee Benjamin Cortus hatte das Foulspiel jedoch außerhalb des Strafraums verortet und deshalb nur auf Freistoß entschieden. Erst nach einer Intervention aus Köln gab es Elfmeter. Dass nicht das Handspiel von Castro geahndet wurde, war korrekt. Wenn eine Mannschaft mehrere Regelverstöße kurz nacheinander begeht und das Spiel in der Zwischenzeit weiterläuft, muss der Schiedsrichter den regeltechnisch folgenreichsten ahnden. Und da es für das Handspiel - wenn es aus Cortus‘ Sicht denn überhaupt strafbar war - nur einen Freistoß gegeben hätte, war das Foul im Strafraum das schwerere Vergehen.

Bremer Glück mit dem Video-Assistenten

Deutlich mehr Diskussionen gab es zum Auftakt des Spieltags beim 4:2 des SV Werder gegen den FC Schalke 04. Zunächst blieb unklar, ob Claudio Pizarro vor dem Bremer Ausgleich zum 1:1 durch Milot Rashica in der 31. Minute nicht aus einer Abseitsposition seinen Gegenspieler Matija Nastasic beeinträchtigt hatte. Bei der Hereingabe von außen war der Peruaner zum Ball gegangen und hatte ihn nur knapp verfehlt, der unmittelbar hinter ihm befindliche Schalker Verteidiger wurde dadurch in seiner Möglichkeit beeinflusst, den Ball zu spielen. Schließlich erreichte Rashica die Kugel und beförderte sie ins Netz. Nicht zweifelsfrei aufklären ließ sich allerdings, ob sich Pizarro tatsächlich im Abseits befand.

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Neulich im Weserstadion: Bremens Claudio Pizarro und Schalkes Matija Nastasic.

(Foto: www.imago-images.de)

Die Fernsehbilder legten das zwar nahe, aber die Sender konnten nicht die kalibrierten Linien aus dem Video-Assist-Center in Köln zeigen. Vermutlich konnte man sie dort gar nicht anlegen, weil Nastasic teilweise von Pizarro verdeckt wurde und damit nicht alle zu berücksichtigenden Körperteile zu sehen waren, insbesondere nicht der rechte Fuß des Schalkers. Ein Dilemma, das sich nicht lösen lässt, weil die Video-Assistenten auf die Aufnahmen des Fernsehens angewiesen sind. Damit ließ sich in diesem Fall zwar mutmaßen, dass sich Pizarro im Abseits befand, aber beweisen ließ es sich nicht. Also blieb es bei der auf dem Feld getroffenen Entscheidung.

Nicht minder knifflig war die Beurteilung des Zweikampfs zwischen Jeffrey Bruma und dem Bremer Max Kruse nach 50 Minuten im Schalker Strafraum. Gab es hier einen Kontakt im Bereich der Ferse, der ausschlaggebend für Kruses Sturz war? Auf dem Feld hatte Schiedsrichter Martin Petersen keine Regelwidrigkeit wahrgenommen, aber auf Intervention des Video-Assistenten begab er sich in die Review Area und entschied schließlich auf Strafstoß für die Hausherren. Womöglich hatte Bruma im Laufduell Kruse leicht berührt, sodass dieser schließlich über die eigenen Beine fiel. Eine Strafstoßentscheidung jedenfalls, hinter die auch nach dem On-Field-Review ein Fragezeichen gesetzt werden muss. Die Bilder waren hier, wie so oft, nicht eindeutig. Ein Problem, das den sogenannten Videobeweis wohl immer begleiten wird.

Quelle: n-tv.de