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Freude und Stolz trotz des WM-Aus: Die Russen feiern einfach weiter.
Freude und Stolz trotz des WM-Aus: Die Russen feiern einfach weiter.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Sonntag, 08. Juli 2018

Russlands WM-Aus in der Presse: "Danke für diese drei großartigen Wochen"

Von Katrin Scheib

Die Fans feiern trotz aller Trauer nach dem WM-Aus ihre Mannschaft und auch die russischen Medien sind begeistert. Trotz Frust und Enttäuschung kristallisiert sich der Tenor heraus: Wer hätte gedacht, dass wir es überhaupt je so weit schaffen?

Trauer und Stolz, diese beiden Gefühle dominieren die russische Berichterstattung am Morgen nach der Niederlage gegen Kroatien. Der WM-Gastgeber ist aus dem Turnier ausgeschieden, das ist eine unverrückbare Tatsache. Viele Medien würdigen aber auch den Einsatz und Kampfeswillen, der das Team überhaupt bis unter die letzten acht gebracht hat.

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"So oder so war es unsere beste WM, wir haben im Viertelfinale gespielt", schreibt Sports.ru und argumentiert weiter: "Für die russischen Nationalmannschaft ist die WM 2018 vorbei, Kroatien zog in die Runde der besten vier Teams ein, während wir im Halbfinale rausflogen. Aber selbst jetzt, direkt nach der Niederlage, ist das ein ansehnliches Ergebnis - wir sind stolz auf die Mannschaft und ihre Leistung." Ähnlich klingt es bei "Sowjetski Sport": "Unsere Jungs haben gegen Kroatien im Elfmeterschießen verloren, aber sie haben gekämpft wie Löwen". Er habe sich, schreibt der Autor weiter, im Fischt-Stadion zu Sotschi wie in einem Traum gefühlt.

"Ein Wunder ist nicht genug", titelt die "Nowaja Gasjeta" in Anlehnung an den Bond-Film aus dem Jahr 1999. Die russische Mannschaft habe zwar ihr bestes Spiel bei der WM gespielt, ehe sie dann im Elfmeterschießen ausschied. Ein Problem sieht der Autor aber in der überbordenden Freude nach dem Spanien-Spiel und den hohen Erwartungen, die seitdem auf den russischen Spielern lasteten. Er spricht vom "Post-Spanien-Syndrom" und analysiert, die Nationalmannschaft habe "keine Erfahrung mit dem Aufenthalt in solchen Höhen. Es gibt keine Impfung gegen Euphorie", selbst wenn Trainer Stanislaw Tschertschessow immer wieder betone, dass er während des Turniers weder Zeitungen noch Nachrichten-Websites lese.

"Die Tränen eines echten Mannes"

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"Argumenty i Fakty" nimmt die Tränen von Artjom Dsjuba, dem Schrank im russischen Sturm, zum Anlass für folgende Überschrift: "Weine ruhig, Dsjuba - wir haben jetzt eine Mannschaft, und diese Mannschaft hat eine Zukunft." Man habe in diesen Zeiten ein Recht auf Pathos, schreibt die Wochenzeitung, der Stürmer habe "die Tränen eines echten Mannes" geweint: "Dsjubas Tränen sind das Symbol der WM 2018 mit Blick auf die russische Mannschaft. Ihre chemische Zusammensetzung besteht aus tiefer Enttäuschung, gepaart mit großer Freude angesichts einer guten Leistung."

Zur umfangreichen Berichterstattung rund um das Viertelfinalspiel gehört auch, dass einige russische Spieler in eigenen Artikeln analysiert und gefeiert werden: "Golowin war gut, er hat den Wechsel zu Chelsea verdient" - "Smolow ist schuld, aber immerhin hat er gekämpft" - "Tscheryschew kommt auf Platz zwei der WM-Torschützen". Und auch Trainer Tschertschessow wird in zahleichen Spielanalysen gewürdigt. Für "Sowjetski Sport" ist er der Mann, der wieder alles richtig gemacht hat, anderswo geht es um die Frage, ob er auch nach dem Ausscheiden Russlands Nationaltrainer bleiben wird.

"Danke für diese drei großartigen Wochen"

"Russland ist WM-Fünfter, ist das etwa schlecht?", fragt Championat.com und gibt die Antwort darauf direkt selber: "Vor einem Monat konnte man davon nicht mal träumen." Anstelle des üblichen Logos prangt auf der Website ein Wappen mit stilisiertem Schnurrbart, dem Markenzeichen des russischen Trainers. Auch auf der Website der "Komsomolskaja Prawda" begegnet einem in diesen Tagen solch ein kleiner Gimmick: Oben links in der Ecke erscheint für einen kurzen Moment das Gesicht von Stanislaw Tschertschessow, guckt sich einmal um und verschwindet wieder.

Klar, das WM-Aus sei schade, heißt es in einer der zahleichen Artikel, die die "Prawda" online zur Niederlage gegen Kroatien veröffentlicht hat. Andererseits müsse man der russischen Nationalmannschaft dankbar sein: "Danke für diese drei großartigen Wochen. Für die heisere Stimme nach fünf Spielen. Für eine Spannung von einer Million Volt. Für die Erkenntnis, dass man nie aufgeben und die Hände heben sollte. Nicht einmal, wenn du im Ranking als schlechteste aller Mannschaften ins Turnier einziehst." Auch "Sowjetski Sport" reiht sich in den Chor der Dankbarkeit ein: "Danke für dieses Märchen! Für dieses Wunder in unserer Mitte. Für diesen Sommer 2018, als wir mit weit aufgerissenen Augen Fußball guckten."

Quelle: n-tv.de