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Russland bekommt viel Kritik für den Auftritt gegen Uruguay.
Russland bekommt viel Kritik für den Auftritt gegen Uruguay.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Dienstag, 26. Juni 2018

Nun kommt auch noch Spanien: Russland kämpft mit Uruguays Ohrfeigen

Furios sind die Russen in die Fußball-WM gestartet, doch gegen den ersten echten Gegner Uruguay setzt es eine 3:0-Watschn. Vor dem Achtelfinalspiel gegen Ex-Weltmeister Spanien hat das Gastgeberteam ordentlich Druck - die Erwartungen sind riesig.

Als sich die russischen Fans tief betrübt und konsterniert auf den Heimweg machten, spielte sich Stanislaw Tschertschessow zum gutgelaunten Show-Master auf. Die Pressekonferenz war schon beendet, da trat der Nationaltrainer des WM-Gastgebers nochmal auf das Podium, er breitete die Arme aus und fragte provokant: "Und wo ist der Applaus?" Ein paar russische Journalisten klatschten zwar in die Hände, doch offenbar nur aus Pflichtgefühl. Das klare 0:3 (0:2) in Samara im letzten Gruppenspiel gegen abgezockte Uruguayer hat die russische WM-Party vorerst abgewürgt. "Uns wurde gezeigt, wer wird sind", schrieb die Zeitung "Sowetski Sport". Und die Russen sind: Ein tapfer kämpfendes Team, das im Konzert der Großen aber wohl nicht mithalten kann.

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Für viele Russen kam das tatsächlich überraschend, die klaren Siege gegen Saudi-Arabien (5:0) und Ägypten (3:1) hatten falsche Erwartungen geweckt. Nicht wenige Fans sahen nach dem Schlusspfiff aus, als hätten sie sich die "drei Ohrfeigen von Uruguay" ("Sport-Express") selbst eingefangen. Am späten Montagabend kam noch eine vierte Watschn dazu: Im Achtelfinale wartet in Spanien der schwerstmögliche Gegner aus der Gruppe B. "Unserer wichtigster Kampf ist der am 1. Juli, das dürfen wir nicht vergessen", sagte Vize-Ministerpräsident Witali Mutko mit Blick auf das K.o.-Spiel gegen den früheren Welt- und Europameister im "Heimstadion" Luschniki.

"Test gegen eine Top-Mannschaft"

Der frühere WM-OK-Chef appellierte daher an das russische Volk: "Das Wichtigste ist, dass das Team weiter unterstützt wird. Es gibt alles für dieses Spiel." Zuerst müssen die schwer gedemütigten Russen aber ihre Wunden lecken. "Das war definitiv ein Schlag ins Gesicht für uns", sagte Stürmer Artem Dschjuba. Für das Achtelfinale könnte die Pleite aber auch einen positiven Effekt haben, hofft der 1,91 m große Schlaks, der noch der beste russische Feldspieler war. Jetzt wisse die Mannschaft, auf welchen Niveau sie sich bewegen müsse: "Es war ein Test gegen eine Top-Mannschaft."

Bei diesem Test sind einige Spieler aber durchgefallen. Allen voran Igor Smolnikow, nach dessen völlig überflüssiger Gelb-Roten-Karte war das Spiel nach 36 Minuten quasi entschieden. Manche Russen stürzten sich im Internet auf den Verteidiger, sodass sich dessen Frau Ekaterina auf Instagram mit emotionalen Zeilen zu Wort meldete: "Ich bitte alle, ihn zu unterstützen und mir keine Beleidigungen zu schicken. Das ist nicht das Ende der Welt, und es kann jedem Spieler passieren."

Nur wenn am kommenden Sonntag im 81.000 Zuschauer fassenden Luschniki-Stadion der Funke von den Rängen auf den Rasen überspringt, haben die Russen gegen Spanien eine Chance. "Die Atmosphäre wird unglaublich sein", sagte Spaniens Trainer Fernando Hierro, "und Russland kann uns viele Probleme bereiten." Tschertschessow wird ähnliche Worte wählen, wenn er im Trainingscamp seine Spieler aufbaut. Gelingt ihm das, wird der  Applaus bei der nächsten Pressekonferenz auch wieder größer ausfallen.

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Quelle: n-tv.de