Fußball-WM 2018

Das spektakuläre Sechsakt-Drama Wer ist hier der Boss? Ronaldo ist der Boss!

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Schönheit ist relativ. Die fußballerische Klasse von Cristiano Ronaldo dagegen unbestritten.

(Foto: REUTERS)

Warum Ronaldo der beste Fußballer der Erde ist? Seit Freitagabend 21.52 Uhr weiß das wieder die ganze Welt. Im WM-Spiel gegen Spanien zeigt der Portugiese in 90 Minuten, warum er gleichzeitig gehasst und geliebt wird.

Die Fußball-Welt hat wieder Puls: Cristiano Ronaldo legt der Weltmeisterschaft im dritten Spiel am zweiten Tag den Defibrillator auf die Brust. In der ersten Gruppenpartie seiner Portugiesen gegen Spanien liefert der 33-Jährige eine unfassbare Show ab. Beim 3:3 (2:1) in den 90 höchst spektakulären Minuten im fast ausverkauften Olympiastadion von Sotschi zeigt der eitle Superstar von Real Madrid einmal mehr, warum er gleichermaßen geliebt und gehasst wird. Ganz nebenbei fügt er seiner sensationellen Fußballer-Vita noch zwei neue historische Kapitel hinzu. Schon mit seinem ersten Treffer, einem Elfmeter, war er für seine Verhältnisse ziemlich unspektakulär in den elitären Kreis Pelé, Uwe Seeler und Miroslav Klose aufgestiegen. Die Berechtigung dazu: je ein Tor bei vier Weltmeisterschaften.

Portugal - Spanien 3:3 (2:1)

Portugal: Rui Patricio - Cedric, Pepe, Fonte, Guerreiro - Moutinho, Carvalho - B. Silva (69. Quaresma), B. Fernandes (68. João Mario) - Guedes (80. A. Silva), Ronaldo; Trainer: Santos.
Spanien: de Gea - Nacho, Piqué, Ramos, Alba - Busquets - D. Silva (86. Vazquez), Koke, Iniesta (70. Thiago), Isco - Costa (77. Aspas); Trainer: Hierro.
Tore: 1:0 Ronaldo (4./FE), 1:1 Costa (24.), 2:1 Ronaldo (44.), 2:2 Costa (55.), 2:3 Nacho (58.), 3:3 Ronaldo (88.)
Schiedsrichter: Rocchi (Italien)
Zuschauer: 43.866 (Olympiastadion Sotschi)

Das zweite Kapitel liest sich auf andere Art erstaunlich: Der irre 3:3-Ausgleich in der 88. Minute war das erste Freistoßtor Ronaldos bei einem großen Fußball-Turnier. Zuvor hatte er 46 (!) Versuche daneben gegockelt. Und so triumphatorisch der fünffache Weltfußballer auf dem Spielfeld aufgetreten war, so triumphatorisch inszenierte er auch seine ersten Worte: "Es ist unglaublich! Ich habe viele Jahre darauf hingearbeitet. Einige haben nicht an mich geglaubt, aber ich habe immer an mich geglaubt", sagte Ronaldo. Und lobte dann auch seine Mannschaft, die wie die 43.866 Zuschauer in Sotschi allerdings eher als Kulisse denn als Hauptdarsteller der irren Superstar-Show bereitstand: "Wir haben nicht aufgegeben. Auch nicht, als wir zurückgelegen haben. Ich glaube, diese WM wird richtig gut für uns. Wir glauben daran, bis zum Ende dabei zu sein."

Die wilde Ronaldo-Show im Spielfilm

4. Minute, TOOOOOORRRR FÜR PORTUGAL, 1:0 CRISTIANO RONALDO (I): Kaum sind die Hymnen verklungen, packt Ronaldo den Turbo aus. Kurzer Übersteiger, fertig für den Abflug: Spaniens Verteidiger Nacho lässt das Bein gewagt weit stehen, Ronaldo nimmt das Angebot seines Real-Teamkollegen dankend und mit einem listigen Blick an. Den anschließenden Strafstoß schießt der Boss der "A Selecção das Quinas" natürlich selbst. Keeper David De Gea ist irgendwo hin unterwegs, nur nicht ins obere rechte Eck. Dort aber ist der Ball. Klarer Fall von: drin.

24. Minute, TOOOOOORRRR FÜR SPANIEN, 1:1 DIEGO COSTA: Wer war bei Spanien nochmal der Mann für die Ellbogenchecks? Sergio Ramos, der weilt aber .. ach, egal! Macht's halt Diego Costa, der sich unter grenzwertigem Einsatz des Nervus ulnaris gegen Pepe durchsetzt. Ein Tänzchen in der portugiesischen área de grande penalidade später und Costa trifft mit rechts ins linke Eck. Die Portugiesen fordern Foul, der Video-Referee prüft, Schiri Rocchi sagt: nö. Treffer zählt.

44. Minute, TOOOOOORRRR FÜR PORTUGAL, 2:1 CRISTIANO RONALDO (II): Boss? Boooohooossssss! Ah, da lässt sich CR7 nicht zweimal bitten. Langer Ball auf Gonçalo Guedes, der weiß was er zu tun hat. Ablage auf Ronaldo. Der wummst einfach mal zentral aus 18 Metern, De Gea patzt fatal. Der Ball flutscht dem Keeper von Manchester United aber so was von durch die Finger, prallt am Knie ab und kullert ins Tor. Weil aber Ronaldo geschossen hat, rehabilitieren wir den Keeper im Eilverfahren.

55. Minute, TOOOOOORRRR FÜR SPANIEN, 2:2 DIEGO COSTA: Ronaldo kann's nicht fassen, was machen seine Kollegen denn da? Gut, beim Freistoß kannste nix machen, Dani Silva musste ausführen lassen. So steht's in den Regeln. Aber dann? Den Kollegen Sergio Busquets kannste beim Kopfball am Fünfer schon mal ein bisschen mehr unter Stress setzen und dass Strafraumbüffel Costa den Ball dann ungehindert über die Linie wuchten darf, kann dem Boss überhaupt nicht gefallen. Für Pepe und seine Crew wird da sicher 'ne Abmahnung fällig.

58. Minute, TOOOOOORRRR FÜR SPANIEN, 2:3 NACHO FERNANDEZ: Oha, oha, jetzt kommt's knüppeldick für Ronaldo. AUSGERECHNET (endlich dürfen wir es mal wieder schreiben) Nacho, der ihm zuvor noch den Elfmeter angeboten hatte, hämmert den Spaniern CR7-Leiden und Trainerchaos-Tage mit Kawumm aus dem weißen Unschuldsdress. Sein Hammer von der Strafraumkante begeht erst Sachbeschädigung am rechten Pfosten und schlägt dann wild im Netz ein. Was nun, Boss? Boooohooossssss? Abmahnen? Pfff! Kündigen. Sofocht.

88. Minute, TOOOOOORRRR FÜR PORTUGAL, 3:3 CRISTIANO RONALDO (III): Warum auch nicht? Der Boss macht's ja eh am liebsten und sowieso eigentlich immer selbst. Allerdings müssen wir vor der Würdigung noch über Gerard Piqué reden. Im Trapattoni'schen Ditalienisch ('ne harmonisch klingende Mischung aus deutsch und italienisch) tadeln wir: WAS ERLAUBE! Kurz vor dem Strafraum bringt der erfahrene Barcelona-Verteidiger den Weltfußballer zu Fall. So ein UNSINN! Der krempelt sich die Buchse hoch, gönnt seinen Oberschenkeln ein bisschen Luft zum Atmen, läuft an und scheppert den Ball ins portugiesische Glück. Wahnsinn. Die Fußball-Welt hat Puls. So richtig.

Quelle: ntv.de