Forderungen zum AmtsstartÄrzte, Pflege und Kassen erhöhen Druck auf Linnemann

Der neue Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann sieht sich zu seinem Amtsantritt mit unterschiedlichen Forderungen aus der Gesundheits- und Pflegebranche konfrontiert.
Der Virchowbund der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte forderte Linnemann am Mittwoch auf, die ambulante ärztliche Versorgung zu fördern. Die Pflegebranche warnte davor, den Mangel an Fachkräften bei der anstehenden Pflegereform zu vernachlässigen. Die gesetzlichen Krankenkassen forderten weitere Reformen, um das Gesundheitswesen zukunftsfest zu machen.
Der Virchowbund wünschte Linnemann "ein glückliches Händchen bei den anstehenden, dringend notwendigen Strukturreformen". Dass dieser bislang vor allem durch wirtschaftliche Expertise in Erscheinung getreten ist, sieht der Verband als Chance: "Als Volkswirt sollte Minister Linnemann die immense wirtschaftliche Bedeutung der ambulanten Versorgung bewusst sein", erklärte der Verbandsvorsitzende Dirk Heinrich.
Das deutsche Gesundheitswesen sei mit einer Bruttowertschöpfung von rund 500 Milliarden Euro und zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mehr als doppelt so groß wie die Automobilwirtschaft, betonte der Virchowbund. Die Arztpraxen sicherten über 736.000 Arbeitsplätze - fünfmal so viel wie der Pharmasektor.
Die ambulante Versorgung sei "der effizienteste Hebel für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem", erklärte der Verbandsvorsitzende. Rund 97 Prozent aller Behandlungsfälle würden in den Praxen versorgt. "Wer diese Ebene stärkt, entlastet Krankenhäuser, stabilisiert die Versorgung und schützt Patientinnen und Patienten vor längeren Wartezeiten und höheren Kosten. Das ist auch volkswirtschaftlich sinnvoll."
Die Pflegebranche mahnte, den Mangel an Fachkräften bei der anstehenden Pflegereform nicht zu vernachlässigen. Deutschland sei für internationale Pflegekräfte nicht mehr attraktiv, sagte der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer, dem Portal Politico. "Wir haben uns im Ausland den Namen versaut."