Von Studenten angeführten DemosAlbaniens Regierungschef sieht Massenproteste als Gefahr für potenziellen EU-Beitritt

Der albanische Ministerpräsident Edi Rama hat die seit Tagen andauernden Massenproteste in seinem Land als Gefahr für den angestrebten EU-Beitritt bezeichnet.
Der albanische Ministerpräsident Edi Rama hat die seit Tagen andauernden Massenproteste in seinem Land als Gefahr für den angestrebten EU-Beitritt bezeichnet. Rücktrittsforderungen lehnte er am Sonntag zugleich entschieden ab. "Die Albaner müssen sich ganz klar überlegen: Wollen sie das oder wollen sie die EU?", sagte Rama in einer auf Facebook übertragenen Ansprache. Es gehe nicht um eine Herausforderung für ihn oder seine Regierung, sondern für den Weg und die Mission des Landes.
Die von Studenten angeführten Demonstrationen gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und schlechte Bildungsstandards hatten sich in der vergangenen Woche auf mehrere Städte ausgeweitet. Dabei setzten Demonstranten Regierungsgebäude in Brand und bewarfen die Polizei mit Pflastersteinen. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen.
Die Unruhen stellen die bislang größte Herausforderung für Rama dar, der seit 2013 amtiert und im vergangenen Jahr seine vierte Amtszeit antrat. Er machte nicht näher benannte ausländische Interessen für die Proteste verantwortlich. "Gott weiß, was die Konsequenzen sein werden. Es gibt keine jungen Leute, keine Studenten und keine Minderjährigen, die auch nur daran denken würden, diesen Plan umzusetzen. Das ist eine ausländische Hand", sagte der Regierungschef.
Albanien gilt neben Montenegro als aussichtsreichster Kandidat der Balkanländer für einen EU-Beitritt und strebt diesen bis 2030 an. Den Behörden zufolge wurden bei den Demonstrationen 388 Personen angezeigt. Dutzende Polizisten und Demonstranten wurden verletzt.