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Bericht zu GedenkstättenAntisemitische Vorfälle in NS-Gedenkstätten steigen 2024 laut RIAS auf 211 Fälle

18.03.2026, 10:34 Uhr
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(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Pöbeleien, Schmierereien, Bedrohungen: Antisemitische Vorfälle haben nach Angaben des Netzwerks RIAS auch in NS-Gedenkstätten erheblich zugenommen.

2024 wurden demnach 211 Vorfälle in Gedenkstätten dokumentiert, fast doppelt so viele wie im Jahr davor. Oft hätten sie einen rechtsextremen Hintergrund, knapp die Hälfte der Vorfälle sei antiisraelisch motiviert gewesen, erklärte der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen. Die Zahlen für 2025 lägen noch nicht abschließend vor, doch sei die Zahl der Störungen unvermindert hoch, sagte ein RIAS-Sprecher.

In einer neuen Broschüre zu dem Phänomen nennt RIAS als Beispiel einen Vorfall in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, dem Ort, an dem führende Nationalsozialisten 1942 die Vernichtung der europäischen Juden besprachen. Bei einer Sonderausstellung seien Plakate zu einer Aktionswoche gegen Antisemitismus mit einem scharfen Gegenstand eingeritzt und eingerissen worden. Die Gedenkstätte am früheren Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg vermeldete eine Zunahme solcher und ähnlicher Vorfälle von 12 im Jahr 2022 auf 52 zwei Jahre später.

Als israelbezogenen Antisemitismus wertet RIAS zum Beispiel, wenn in Gästebüchern das heutige Handeln Israels mit den nationalsozialistischen Verbrechen gleichgesetzt werde. Auch interpretiert RIAS Slogans wie "Free Palestine" im Kontext von Gedenkstätten als Versuch, die beispiellosen Verbrechen des Holocaust zu relativieren. Gerade an Gedenkorten seien antisemitische Vorfälle für Überlebende, deren Nachkommen und jüdische Communitys besonders schwerwiegend, hieß es.

"Angriffe auf diese Orte richten sich gegen die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen und gegen unsere demokratischen Grundwerte", erklärte Mihail Groys vom Zentralrat der Juden in Deutschland. "Gerade jetzt, da die letzten Überlebenden der Schoa von uns gehen, müssen Gedenkstätten als authentische Orte der Erinnerung entschlossen geschützt und gestärkt werden." RIAS-Referentin Tanja Kinzel ergänzte, um Angriffen und Störungen adäquat zu begegnen, bräuchten Mitarbeitende Fortbildung und Unterstützung.

Quelle: ntv.de, dpa

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