Immer mehr "Active Clubs"Bundesregierung sieht wachsende Gefahr durch rechtsextreme Kampfsportgruppen

Von rechtsextremen Kampfsportgruppen geht nach Einschätzung der Bundesregierung eine zunehmende Gefahr aus.
Wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht, ist die Zahl so genannter "Active Clubs" im Jahr 2026 deutlich angestiegen. Zurzeit sind demnach etwa 20 regionale Gruppen von auf gemeinsamen Sport und Training für den Straßenkampf ausgerichteten Neonazi-Gruppierungen aktiv. Ende 2024 waren es demnach noch "etwa ein Dutzend".
Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über die Antwort auf die Grünen-Anfrage berichtet. Demnach geht laut Bundesinnenministerium von "Active Clubs" weiter ein "Gewalt- und Bedrohungspotenzial" aus. Es sei "weiterhin eine hohe Konspirativität bei gleichzeitig starken Rekrutierungsbemühungen junger Männer für das gewaltorientierte rechtsextremistische Spektrum festzustellen", erklärt das Ministerium.
Insbesondere die regelmäßigen Kampfsporttrainings einzelner "Active Clubs" und "das Propagieren und Inszenieren von Wehrhaftigkeit vor allem durch entsprechend martialische Videos und Posts von Kampfsporttrainings" ließen auf "eine Professionalisierung der Gewaltkompetenz schließen". "Direkte Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner" seien zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht feststellbar.
Die Idee von "Active Clubs", in denen sich Neonazis für sportliche Betätigungen - insbesondere Kampfsport - zusammentun, stammt ursprünglich aus den USA. Mittlerweile gibt es solche Gruppen in zahlreichen Ländern auf mehreren Kontinenten. Sie werben mit Fitness, Kampfsport und harten Männerbildern um Mitglieder und rekrutieren damit besonders junge Männer für die rechtsextreme Szene.
Der Bundesregierung liegen bislang keine Erkenntnisse über internationale Vernetzungen zwischen deutschen und ausländischen "Active Clubs" vor. Eine gezielte Kontaktaufnahme und Vernetzung seien in Zukunft jedoch nicht auszuschließen.
Die Grünen-Innenexpertin Marlene Schönberger beklagte, dass die Bundesregierung weder Angaben über die Zahl der Straftaten aus dem Umfeld der "Active Clubs" machen könne noch Gefährder aus diesen Gruppen kenne, weil die Gruppen bislang kaum strafrechtlich aufgefallen seien.
"Active Clubs" lockten junge Männer über Fitness und Kampfsport in rechtsextreme Strukturen. "Es ist fatal, dass sich die Bundesregierung nicht direkt mit Sportverbänden und Kampfsportvereinen über diese Gefahr austauscht", betonte Schönberger. Es brauche mehr Präventions- und Distanzierungsangebote, die gezielt vulnerable Jugendliche und junge Männer erreichen. Außerdem müssten die Plattformen, auf denen "Active Clubs" ihre Mitglieder rekrutieren, stärker in die Pflicht genommen werden.