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Ausverkauf von StaatsanleihenEZB-Währungshüter besorgt nach kräftigem Anstieg der Anleiherenditen

18.05.2026, 12:38 Uhr
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(Foto: imago images/IlluPics)

Der starke Zinsanstieg für deutsche und andere europäische Staatsanleihen treibt die Europäische Zentralbank (EZB) um.

"Ich mache mir immer Sorgen, das ist mein Job", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei ihrer Ankunft zu einem Treffen der G7-Finanzminister in Paris. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sagte dort, die Notenbanken könnten "deutlich mehr" tun, um die Finanzmärkte zu beruhigen und sie zu stützen.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg zu Wochenbeginn auf 3,1791 Prozent, den höchsten Stand seit rund 15 Jahren. Auch die Renditen anderer Staatsanleihen zogen an: Italienische Papiere mit zehnjähriger Laufzeit legten auf 3,9771 Prozent zu, den höchsten Stand seit sechs Wochen. Auslöser für den Ausverkauf an den Märkten sind Inflationsängste, die durch den anhaltenden Nahost-Konflikt und steigende Ölpreise geschürt werden. Viele Euro-Staaten sind hoch verschuldet. Steigende Marktzinsen deuten darauf hin, dass sich die Kosten für neue Schulden deutlich erhöhen und damit den staatlichen Spielraum für Ausgaben einschränken könnten.

Der französische Finanzminister Roland Lescure versuchte, zu beruhigen. Auf die Frage, ob die Anleihemärkte zusammenbrächen, antwortete er: "Sie durchlaufen eine Korrektur - ich würde nicht sagen, dass sie zusammenbrechen." Die Zeiten, in denen die Staatsverschuldung kein Thema gewesen sei, seien aber vorbei, sagte Lescure.

Der Iran-Krieg stehe für die Märkte weiter im Mittelpunkt, sagte Olle Holmgren, Stratege beim Finanzhaus SEB Research. "Inflations- und Defizitsorgen waren schon eine Weile im Hintergrund", betonte der Europa-Chefvolkswirt bei der Investmentbank Jefferies, Mohit Kumar. "Großbritannien war wahrscheinlich der Katalysator, der diese Sorgen in den Vordergrund gerückt hat." Dort hatte die zunehmende politische Unsicherheit um die politische Zukunft des in den eigenen Reihen unter Druck geratenen Premierministers Keir Starmer in den vergangenen Tagen für einen deutlichen Risikoaufschlag gesorgt, ehe die Renditen am Montag fielen.

Der EZB-Rat entscheidet am 11. Juni über den Leitzins. Die meisten Experten rechnen dann mit einer ersten Zinserhöhung in diesem Jahr. 

Quelle: ntv.de, rts

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