Kurznachrichten

"Doppelmoral der Gesellschaft"Ethikrat-Chef dringt auf offene Debatte über Leihmutterschaft

21.07.2026, 09:51 Uhr
Der-Deutsche-Ethikrat-stellte-am-Donnerstag-den-11-Juni-2026-in-Berlin-die-von-Bundestagspraesidentin-Julia-Kloeckner-CDU-erbetene-Stellungnahme-zum-Thema-Schutz-Teilhabe-und-Befaehigung-von-Kindern-und-Jugendlichen-in-der-digitalen-Welt-vor-im-Bild-Helmut-Frister-Vorsitzender-der-Ethikrats-Der-Deutsche-Ethikrat-hat-sich-gegen-eine-Altersbeschraenkung-in-sozialen-Netzwerken-ausgesprochen-Ein-gesetzliches-Mindestalter-sei-nicht-geeignet-um-den-Schutz-junger-Menschen-mit-ihren-digitalen-Teilhabe-und-Befaehigungsinteressen-in-Ausgleich-zu-bringen-sagte-der-Vorsitzende-des-Ethikrats-Helmut-Frister-Siehe-epd-Meldung-vom-11-06
(Foto: picture alliance / epd-bild)

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Helmut Frister, fordert eine offene gesellschaftliche Debatte über die Leihmutterschaft.

"Wenn man die Debatten nicht führt, wird das Problem latent immer bleiben", sagte der Rechtswissenschaftler im Deutschlandfunk. "Man sollte diese Debatte führen, und man muss halt dann überlegen, welche Güter sich da gegenüberstehen." Das sei auf der einen Seite der unerfüllte Kinderwunsch von nicht nur homosexuellen männlichen Paaren, sondern auch von Frauen, die aus medizinischen Gründen selbst kein Kind austragen könnten. Sie könnten sich diesen Kinderwunsch nur mittels Leihmutter erfüllen.

"Und das ist auch nichts, was ein Lifestyle-Problem wäre, sondern dieser unerfüllte Kinderwunsch ist für viele existenziell und kann das Lebensglück bedrohen", sagte Frister. Auf der anderen Seite müssten zum einen die potenziellen Leihmütter geschützt und zum anderen überlegt werden, was das für das Kindeswohl bedeute.

Die Diskussion nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) zeigt aus Sicht Fristers die Doppelmoral der Gesellschaft. Einerseits sei im Inland nicht nur die Leihmutterschaft verboten, sondern auch die Eizellspende. Andererseits werde sehr großzügig toleriert, insbesondere bei der Eizellspende, dass eben Frauen und Paare ins Ausland gehen, um auf diese Weise ihren Kinderwunsch zu erfüllen. "Und es ist ein bisschen so, dass die gesamte Gesellschaft da das Problem ins Ausland verlagert."

Ganz unabhängig vom sehr schwierigen Problem der Leihmutterschaft besteht im Bereich der Fortpflanzungsmedizin insgesamt nach den Worten des Ethikrat-Chefs ein deutlicher Modernisierungsstau. "Wir müssen, glaube ich, an das Problem der Eizellspende wirklich ran." Und eine Embryonenspende sei zwar theoretisch möglich, deren Rechtsfolgen seien aber völlig ungeregelt. "Es gibt also da eine Menge Modernisierungsbedarf", sagte Frister. 

Eine Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Konkret verboten sind die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung sowie das Einsetzen einer Eizelle und die gesamte ärztliche Begleitung des Prozesses. Allerdings machen sich sogenannte Wunscheltern, die eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen, selbst nicht strafbar. Die Bevölkerung ist bei dem Thema gespalten: In einer Umfrage fanden 39 Prozent das Verbot richtig, 41 Prozent für falsch.

Spahn und sein Mann hatten bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte ihren Sohn Georg zur Welt. Damit umgingen sie das in Deutschland geltende Verbot, das Spahn in der CDU mitgetragen hat.

Quelle: ntv.de, dpa

Regionales