Warnung vor SchuldenkriseIWF fordert Industrieländer zu Ausgabenkürzungen auf – Schulden steigen auf Rekordniveau

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat reichere Industrieländer aufgefordert, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen.
Nötig seien Ausgabenkürzungen, ein Abbau der teils sehr hohen Defizite und eine Senkung der Schuldenstände. Eine Verzögerung werde die notwendigen Anpassungen in den kommenden Jahren nur erschweren, warnte der IWF am Mittwoch bei seiner Herbsttagung in Bangkok. IWF-Experte Rodrigo Valdes sagte, die Rahmenbedingungen hätten sich geändert. Angesichts der hohen Inflation und steigender Renditen für Staatsanleihen sei Eile geboten. Letzteres macht es für Staaten teurer, neue Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen.
Valdes sagte, der Druck nehme zu. Die durchschnittliche Staatsverschuldung steuere auf die Marke von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung zu. Dies sei der höchste Stand seit dem Zweiten Weltkrieg und lasse den Ländern wenig Spielraum. Die Haushaltslage sei in diesem Jahr schlechter als vor sechs Monaten und auch schlechter als vor einem Jahr erwartet, hatte Valdes schon vor dem Treffen von IWF und Weltbank gesagt, bei dem am Donnerstag und Freitag auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erwartet wird. Die Mehrheit der Staaten plane eher höhere Ausgaben.
"Je länger die Länder warten, desto schmerzhafter wird die Anpassung", hieß es in einem IWF-Blog. Hohe Ölpreise, eine hartnäckige Inflation und eine stärker als erwartete Nachfrage nach Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) hätten in den vergangenen Monaten zu einem massiven Anstieg der langfristigen Renditen von Staatsanleihen geführt. So sei die durchschnittliche Rendite zehnjähriger Staatsanleihen der G7-Industrienationen zwischen Februar und September um über 110 Basispunkte geklettert und habe damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten erreicht.
Laut IWF dürften die durchschnittlichen Kosten zur Finanzierung von Staaten von 2,3 Prozent im Jahr 2021 bis 2031 auf 3,7 Prozent steigen. In den USA dürften die Zinszahlungen 5,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen, was in etwa den Ausgaben für die Sozialversicherung entspreche. In ärmeren Ländern sei die Lage noch angespannter. Dort machten die Zinszahlungen heute schon über 15 Prozent der Steuereinnahmen aus, verglichen mit durchschnittlich rund neun Prozent zwischen 2011 und 2019.
Insbesondere die USA können ihr Schuldenproblem nach Ansicht von IWF-Chefin Kristalina Georgiewa nicht - wie sonst üblich - durch mehr Wachstum lösen. Um die Verschuldung auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen, seien weitere Anpassungen nötig. US-Finanzminister Scott Bessent erkenne an, dass die US-Defizite und die Gesamtverschuldung von über 40 Billionen Dollar zu hoch seien, so Georgiewa zu Journalisten. Wachstum helfe natürlich, aber es reiche nicht aus.