FachkräftemangelIngenieure warnen vor Scheitern von Infrastruktur-Sondervermögen

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) warnt angesichts des Fachkräftemangels vor einem Scheitern des von Union und SPD geplanten Infrastruktur-Sondervermögens. "Die neue Regierung muss überlegen, wie sie genügend Fachkräfte mobilisiert", sagte VDI-Direktor Adrian Willig dem "Spiegel" nach Angaben. "Sonst bleibt das Ganze ein Papiertiger."
VDI-Angaben zufolge verdoppelte sich zwar die Zahl der erwerbstätigen Ingenieure in Deutschland seit der Jahrtausendwende fast. "Aber wir kommen dem Bedarf nicht hinterher", so Willig. Zudem müssten Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. "Sonst haben wir Geld, aber keine neue Brücke."
In der Vergangenheit war ein erheblicher Teil der im Bundeshaushalt vorgesehenen Investitionen nicht abgeflossen. "Haushaltsreste sind nicht völlig vermeidbar", sagte Tobias Hentze vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dem "Spiegel" dazu. Ein Teil des Problems könne durch die hohe Summe des von Union und SPD geplanten Sondervermögens gelöst werden: "Wenn man mehr ins Schaufester stellt, wird auch mehr abgerufen - selbst wenn der Prozentsatz an Resten gleich bleibt."
Hentze mahnte jedoch, dass ein ausreichender Anteil der Mittel in Zukunftsinvestitionen fließen solle. "Schultoiletten müssen erneuert werden, aber sie bringen kein Wachstum", sagte der Ökonom dem Magazin weiter. CDU/CSU und SPD hatten sich in ihren Koalitionsverhandlungen auf ein schuldenfinanziertes Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz geeinigt. Bundestag und Bundesrat billigten das 500 Milliarden Euro schwere Paket bereits.
Von diesem sollen 100 Milliarden Euro an die Länder gehen, um Investitionen dort und in den Kommunen voranzubringen. Ebenfalls 100 Milliarden Euro fließen in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), aus dem insbesondere der klimafreundliche Umbau der Wirtschaft finanziert wird.