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Auch Kritik an WirtschaftslageInsider: Russische Staatsbank entlässt Chefvolkswirt nach kritischen Äußerungen zum Ukraine-Krieg

17.08.2026, 14:56 Uhr
Die-russische-Flagge-weht-auf-dem-Dach-der-Russischen-Botschaft-in-Berlin
Die russische Flagge weht auf dem Dach der Russischen Botschaft in Berlin (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Die staatliche russische Entwicklungsbank VEB hat Insidern zufolge ihren Chefvolkswirt nach kritischen Äußerungen zur Wirtschaftslage und zum Ukraine-Krieg entlassen.

Die staatliche russische Entwicklungsbank VEB hat Insidern zufolge ihren Chefvolkswirt nach kritischen Äußerungen zur Wirtschaftslage und zum Ukraine-Krieg entlassen. Dies sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Der prominente Ökonom Andrej Klepatsch hatte bereits im Mai auf einem Finanzforum erklärt, Russland falle im Wettbewerb mit dem Westen und China zurück und erleide durch den Krieg zunehmend wirtschaftlichen Schaden. Die Bank bestätigte die Entlassung, nannte jedoch keinen Grund. Auch Klepatsch selbst bestätigte gegenüber Reuters seinen Abgang.

Die Rede von Klepatsch, die auf der Webseite des Nikitski-Clubs - eines Forums von Ökonomen und Regierungsvertretern - veröffentlicht wurde, war erst vergangene Woche in russischen Medien bekannt geworden. "Wir fallen zurück. Wir verlieren den technologischen und wirtschaftlichen Wettbewerb in der Welt", sagte Klepatsch. "Und wir verlieren ihn nicht nur gegen China und die USA. In gewisser Weise verlieren wir ihn auch gegen die Ukraine." Dies liege an der finanziellen Unterstützung des Westens für Kiew. "Wir werden den Wettbewerb in diesem Zermürbungskrieg nicht gewinnen. Wir haben die Illusion, dass dort (in der Ukraine) alles zusammenbrechen wird. Es ist nicht zusammengebrochen und wird nicht zusammenbrechen. Unsere Kosten steigen."

In seiner Rede warnte Klepatsch zudem vor einer sozialen Krise. Zwar werde die russische Wirtschaft nicht zusammenbrechen. "Aber unser Rückstand wird weiter wachsen, mit allen daraus folgenden Konsequenzen". Eine soziale Krise könne "genau dann entstehen, wenn niemand damit rechnet". Die Äußerungen stehen in starkem Kontrast zur offiziellen Darstellung von Präsident Wladimir Putin, der die Wirtschaft als stabil bezeichnet. Zuletzt hatte jedoch auch die Zentralbank angedeutet, dass die Wirtschaft in diesem Jahr möglicherweise gar nicht wachsen werde. Ukrainische Angriffe auf Ölraffinerien und Logistikzentren haben zudem die Inflationsrisiken erhöht.

Klepatsch, der zehn Jahre im Wirtschaftsministerium gearbeitet hatte, bevor er 2014 zur VEB stieß, übte auch fundamentale Kritik an der Regierung. Er kritisierte die übermäßige Abhängigkeit von China und eine unkoordinierte Geld-, Haushalts- und Industriepolitik. "Die Qualität der Regierungsführung verschlechtert sich fast ständig", sagte er. "Es werden ständig Entscheidungen getroffen, die kaum zu rechtfertigen sind, aber langfristige strategische Konsequenzen haben." Seine Rede ist eine seltene öffentliche Kritik eines hochrangigen Vertreters einer staatlichen Institution an den Kriegskosten.

Quelle: ntv.de, RTS

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