Warnung vor RadikalisierungIslamisten erreichen junge Menschen in Deutschland derzeit besonders leicht

Islamistische Einflüsterer haben es zuletzt in Deutschland besonders leicht gehabt, ihre Botschaft bei jungen Menschen zu platzieren.
Zu diesem Ergebnis kommen Expertinnen des Verbunds Islamismusprävention und Demokratieförderung (KN:IX connect), der versucht, das Abgleiten von Jugendlichen in diese Szene zu verhindern und Aussteigern aus dem Milieu zu helfen. Globale Krisen wie der Nahost-Konflikt wirkten dabei als Katalysator, sagt Jamuna Oehlmann, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus. Entscheidend sei aber auch, "wie diese Krisen hier verhandelt werden".
In Deutschland sei "der Diskursrahmen anders gewesen als in anderen Ländern". Deshalb hätten sich Muslime und vor allem direkt vom Gazakrieg betroffene Menschen mit palästinensischen Wurzeln mit ihrer Perspektive oft nicht gesehen gefühlt. Das und die Art und Weise, wie in der Politik pauschal über Migration und Islamismus gesprochen werde, griffen islamistische Akteure geschickt auf und nutzten es für ihre Zwecke. Sie köderten die jungen Menschen dann mit der Botschaft "Nur wir verstehen Euch."
Für die Behandlung komplexer Themen wie des Nahost-Konflikts im Unterricht brauche es Methodenkenntnisse und ausreichend Zeit, sagt Friederike Müller, die Erfahrungen unter anderem aus Gewalt- und Islamismuspräventionsprogrammen in Nordrhein-Westfalen mitbringt.
Viele Menschen palästinensischer Herkunft im Ruhrgebiet seien wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen kriminalisiert und als vermeintliche Antisemiten bezeichnet worden, obwohl sie nur ihrer Trauer und ihrem Wunsch nach einem Ende des Krieges hätten Ausdruck verleihen wollen. "Dass deren Not und deren Emotion gar keinen Raum finden", sei bedenklich. Kritisch beurteilten die Expertinnen den aus ihrer Sicht besonders restriktiven Umgang mit dem Thema in Berliner Schulen.