Siedlungspolitik zuletzt verstärktIsraelische Siedlerfamilien ziehen in 2005 geräumte Siedlung Kadim im Westjordanland

Im Westjordanland haben israelische Familien begonnen, in eine vor mehr als 20 Jahren geräumte Siedlung zu ziehen.
Im Westjordanland haben israelische Familien begonnen, in eine vor mehr als 20 Jahren geräumte Siedlung zu ziehen. "In diesem Moment ziehen die ersten Siedlerfamilien nach Kadim, eine Gemeinde, die im Zuge des Rückzugs entwurzelt wurde", teilte der für israelische Siedlungen im Norden des Westjordanlandes zuständige Rat der Region Samarien am Donnerstag mit. Kadim ist die letzte der vier Siedlungen, aus denen sich Israel 2005 zurückgezogen hatte, und die nun wiederbesiedelt werden.
30 Familien werden sich den Angaben dauerhaft in Kadim niederlassen. Sie wurden am Donnerstag vom rechtsextremen Finanzminister Bezalel Smotrich und vom Leiter des Regionalrats, Jossi Dagan, begleitet. Der Regionalrat von Samirien bezeichnete die Wiederbesiedlung von Kadim als "historischen Meilenstein". Die israelische Regierung hat ihre Siedlungspolitik im besetzten Westjordanland jüngst verstärkt. In der vergangenen Woche war bereits die nahegelegene Siedlung Ganim wiedereröffnet worden.
Kadim und Ganim zählen zu den vier Siedlungen in dem Palästinensergebiet, die Israel 2005 unter dem damaligen Regierungschef Ariel Sharon im Zuge des sogenannten Abkoppelungsplans geräumt hatte. Der Plan sah neben der Räumung von Ganim, Kadim, Sa-Nur und Homesch in Samarien auch die Aufgabe aller israelischen Siedlungen im Gazastreifen vor. Grund für die Aufgabe der vier Siedlungen damals war auch ihre abgeschiedene Lage im Norden des Westjordanlands inmitten zahlreicher palästinensischer Städte und Dörfer. Mit Kadim sind nun all vier Orte wiederbesiedelt.
"Einundzwanzig Jahre nach dem Verbrechen der Vertreibung aus Nordsamarien haben wir heute die Wiedergutmachung vollendet", wurde Smotrich in der Erklärung zitiert. "Diese Gemeinden bilden einen echten Sicherheitspuffer für den gesamten Staat Israel", fügte er hinzu. Der Minister verkündete zudem, 19 neue Siedlungen im nördlichsten Teil des Westjordanlands zu errichten. "Wir sind nach Hause zurückgekehrt, und dieses Mal, um zu bleiben und um uns 20-fach zu vergrößern", sagte seinerseits der Regionalleiter Jossi Dogan. "Wir hissen die Flagge, schließen den Kreis und bauen Samarien weiter mit aller Kraft auf", erklärte er. Israel hält das Westjordanland seit 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach internationalem Recht illegal sind. Unter Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Israel den Siedlungsbau im Westjordanland stark vorangetrieben - besonders umstritten ist das Siedlungsprojekt E1, das sich über eine Fläche von mehreren Quadratkilometern im Westjordanland östlich von Ost-Jerusalem erstreckt und den Bau von rund 3400 Wohnungen in dem Gebiet vorsieht.