Pläne verworfenKoalition verzichtet laut Kanzler Merz auf Kürzungen bei Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Die schwarz-rote Koalition denkt nach Angaben von Kanzler Friedrich Merz nicht mehr über die Einschränkung der Lohnfortzahlung und Karenztage im Krankheitsfall nach.
Beides sei schon von früheren Regierungen einmal gesetzlich neu geregelt worden "und in einem grandiosen Misserfolg geendet", sagte der CDU-Vorsitzende in einem am Mittwoch veröffentlichten "Spiegel"-Interview. Arbeitgeber und Gewerkschaften hätten damals die volle Lohnfortzahlung in Tarifverträgen wieder eingeführt. "Ich würde uns nicht empfehlen, uns ein zweites Mal eine blutige Nase zu holen. Wir diskutieren gerade intern in der Koalition über bessere Instrumente", sagte Merz mit Blick auf die anstehenden Reformen der Sozialsysteme.
Allerdings mahnte der Kanzler erneut, dass es in Deutschland im internationalen Vergleich sehr viele Krankheitstage gebe. "Ich weiß, dass hinter jeder Statistik auch Schicksale stecken. Aber die 14,5 Tage in der Statistik sind ja nur für diejenigen gerechnet, die drei Tage und länger arbeitsunfähig sind", sagte der Kanzler. "Wenn man die mit einbezieht, die nur einen oder zwei Tage krankgeschrieben sind, dann kommen wir sogar auf 20 Tage. Und da stelle ich noch mal die Frage: Sind wir wirklich ein so krankes Volk, dass wir einen der höchsten Krankenstände in Europa haben müssen?" Man müsse die Gründe finden und Anreize schaffen, damit die Zahlen runtergingen.