TourismusBlutiger Überfall: Die Sicherheitslage in Äthiopien
Berlin (dpa/tmn) - Das Auswärtige Amt weist seit langem auf ein erhöhtes Sicherheitsrisiko in der Region in Äthiopien an der Grenze zu Eritrea hin. Dort kam es zu einem Überfall, bei dem mehrere Touristen getötet wurden. Reisende müssen nun folgendes wissen:
Berlin (dpa/tmn) - Das Auswärtige Amt weist seit langem auf ein erhöhtes Sicherheitsrisiko in der Region in Äthiopien an der Grenze zu Eritrea hin. Dort kam es zu einem Überfall, bei dem mehrere Touristen getötet wurden. Reisende müssen nun folgendes wissen:
«Trotz einer Zeit relativer Ruhe können Überfälle durch Banditen und örtliche Untergrundorganisationen sowie Entführungen nicht ausgeschlossen werden», schreibt das Auswärtige Amt zu der Region , wo in der Nacht zum Dienstag (17. Januar) bei einem Überfall fünf Touristen getötet wurden.
Das Auswärtige Amt rät, unbedingt erforderliche Fahrten durch das Gebiet den örtlichen Behörden mitzuteilen und um entsprechende Schutzmaßnahmen zu bitten. Die Grenzübergänge zwischen Äthiopien und Eritrea seien geschlossen. Die aktuellen Sicherheitshinweise gelten unverändert seit dem 22. November 2011.
Die Behörde weist darüber hinaus auf Risiken im Grenzgebiet zu Somalia hin und rät aufgrund von Entführungsgefahr von Reisen in die Somali-Region südlich und östlich von Harar und Jijiga ab. Ebenfalls abgeraten wird von Reisen in die Grenzregion zum Sudan.
Die großen deutschen Studienreiseanbieter sind nicht in der Anschlagsregion von Äthiopien unterwegs. Das sagte ein Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Zwar bieten mehrere Veranstalter Touren in das afrikanische Land an, sie meiden laut einer Umfrage des dpa-Themendienstes jedoch größtenteils das Grenzgebiet zu Eritrea. Die Zahl der deutschen Touristen in Äthiopien ist laut DRV ohnehin sehr klein. Nach Schätzungen von Experten besuchen jährlich rund 20 000 Deutsche Äthiopien, die meisten davon sind jedoch Geschäftsleute.
Bislang mussten die meisten Veranstalter keine Reisen absagen. Ausnahme ist der Dresdner Reiseveranstalter Diamir, bei dem zumindest ein Teil der nun betroffenen Reisenden offenbar die Tour gebucht hatte. Diamir will bis auf weiteres keine Touren mehr in die Region anbieten.
Eine Studiosus-Gruppe ist nach Angaben von Sicherheitsmanager Edwin Doldi zurzeit im äthiopischen Hochland unterwegs, rund mehrere Hundert Kilometer von dem Anschlagsort entfernt. Man stehe in intensivem Kontakt mit dem Reiseleiter. Alle Urlauber seien jedoch wohlauf. «Reisen in das Grenzgebiet zu Eritrea bieten wir grundsätzlich nicht an», so Doldi. Man verfolge die Situation, rechne jedoch nicht mit Reiseabsagen. Insgesamt stehen in den kommenden Wochen drei Touren bei Studiosus und der Tochter Marco Polo an. «Bislang gibt es keine Hinweise, dass es in anderen Regionen von Äthiopien zu Gefährdungen kommt», so Doldi.
Auch Ikarus-Reisen und Nomad-Reisen sind aktuell mit einer Gruppe in Äthiopien. Ikarus reist dabei von Addis Abeba nach Aksum und Lalibela. Reisen in das Grenzgebiet zu Eritrea habe man vor zwei Jahren aus dem Programm genommen, so Ralf Huber, stellvertretender Ikarus-Geschäftsführer. Nomad-Reisen hatte bislang - letztmals im Herbst 2011 - nach Angaben eines Sprechers auch Touren in die Danakil-Senke im Programm. Man orientiere sich grundsätzlich an den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes und ändere dementsprechend die Reiserouten.
Ein sehr kleines Segment ist Äthiopien nach Angaben einer Sprecherin für Meier's Weltreisen. Rund eine Reise pro Monat stehe im Katalog. Doch auch der Studienreisespezialist klammert dabei die Krisenregion aus.
Der Veranstalter Biblische Reisen will auch weiter Reisen zu den kulturhistorisch bedeutsamen Attraktionen im Norden Äthiopiens anbieten. «Wir sind zwar auf den klassischen Routen unterwegs, die in den Norden führen, aber nicht in dieser Gegend, in der die Touristen überfallen wurden», sagte Georg Röwekamp, der Geschäftsführer des Veranstalters. «Die Befürchtung, dass es nun Buchungsrückgänge gibt, muss man dennoch haben.»
Der Norden Äthiopiens ist kultur- und religionshistorisch interessant: Zu den Hauptsehenswürdigkeiten dort zählen etwa die Felsenkirchen von Lalibela, einem Wallfahrtsort, der in der Tradition des Landes als «Neu-Jerusalem» gilt. Die ungewöhnliche Kirchenanlage gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. «Der Überlieferung nach wird außerdem die Bundeslade in Aksum aufbewahrt», erläuterte Röwekamp. In der Bundeslade wurden nach dem Alten Testament die Steintafeln mit den Zehn Geboten aufbewahrt.