Kritik am politischen EstablishmentSchülerproteste in Albanien schreiten aus

Proteste Studierender gegen die Missstände im Hochschulwesen sind in der albanischen Hauptstadt Tirana gewaltsam eskaliert.
Nach Medienberichten vom Morgen waren im Laufe stundenlanger Ausschreitungen 40 Personen von der Polizei abgeführt worden. 13 Menschen, unter ihnen 6 Polizisten, erlitten demnach Verletzungen.
Mehrere Hundert Menschen demonstrierten am Dienstagnachmittag zunächst friedlich vor dem Bildungsministerium, wie das Portal "a2news.com" berichtete. Die Kundgebung richtete sich gegen schlechte Studienbedingungen, hohe Ausbildungskosten und fehlende berufliche Perspektiven. Die Demonstranten forderten aber auch den Rücktritt des sozialistischen Ministerpräsidenten Edi Rama, der seit 2013 in dem Balkanland regiert.
Später warfen Demonstranten Ziegel und Steinplatten. Es folgten Ausschreitungen an mehreren Orten im Stadtzentrum, bei denen Berichten zufolge Geschäfte und Banken beschädigt und der Sitz der Stadtverwaltung gestürmt wurde. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke ein. Dabei soll es auch zu Übergriffen gegen Unbeteiligte und zu unverhältnismäßiger Gewalt gekommen sein. Fünf Beamte wurden suspendiert, berichtete das Portal "euronews.al".
Der Protest steht im Zusammenhang mit einer Serie von Demonstrationen, die in Albanien unter der Bezeichnung "Flamingo-Revolution" laufen. Diese hatten sich an einem Immobilien-Projekt in einem Naturschutzgebiet an der albanischen Adriaküste entzündet, hinter dem Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump steht. Das umstrittene Bauvorhaben genießt die Unterstützung von Ministerpräsident Rama. Die im geschützten Gebiet lebenden Flamingos wurden zum Symbol der Bewegung.
Die Proteste der Studierenden und die der Umweltschützer richten sich gegen das gesamte politische Establishment in Albanien. Ramas Sozialisten und die heute oppositionellen rechten Demokraten wechseln einander seit der demokratischen Wende in dem ehemals kommunistischen Land vor mehr als 30 Jahren an der Regierung ab. Albanien verhandelt zwar inzwischen relativ fortgeschritten über einen EU-Betritt. Viele seiner Bürger empfinden jedoch die politischen Eliten als gierig, korrupt und inkompetent.