Streit um Hormus-EinsatzTrump bezeichnet Nato-Partner als "dumm"

"Schockierend" und "dumm": Mit drastischen Worten hat US-Präsident Donald Trump am Dienstag gegen die Nato-Partner ausgeteilt.
Er war sichtbar wütend, weil ihn zuvor die Europäer bei der Absicherung der Straße von Hormus gegen iranische Angriffe abblitzen ließen. "Ich denke, die Nato macht einen sehr dummen Fehler", sagte Trump.
"Nein", "non" und "no" - aus den europäischen Hauptstädten war Trump unisono Widerstand entgegen geschallt. So einig hatten sich die Europäer in den 14 ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit bisher nicht gezeigt. Dabei hatte der US-Präsident die Verbündeten mit Zöllen malträtiert und ihnen mit einem angedrohten Angriff auf Grönland zugesetzt.
Am Sonntag dann verlangte der 79-Jährige plötzlich, die Verbündeten müssten ihm helfen, Öltanker in der Straße von Hormus zu schützen. Womöglich wollte Trump davon ablenken, dass sich der von ihm in Aussicht gestellte Geleitschutz durch die US-Marine bisher nicht bewerkstelligen lässt.
Die US-Forderung an die Verbündeten sei "außerordentlich" gewesen, sagt Philip Gordon von der Denkfabrik Brookings Institution. Der Sicherheitsberater der früheren Vizepräsidentin Kamala Harris ist sich sicher: Trump gehe zu weit, wenn er von den Partnern verlange, für den Schutz von Öltankern Menschenleben aufs Spiel zu setzen - zumal Trump für die Europäer bisher überwiegend Beleidigungen und Beschimpfungen übrig gehabt habe.
Von diesen Tiraden hatte der US-Präsident Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bisher ausgenommen und ihn einen "großartigen Anführer" und Freund genannt. Nun aber rügte er auch Deutschland, ohne den Kanzler namentlich zu nennen. Das deutsche "Oberhaupt" - damit meinte Trump offenbar Merz - habe erklärt, sein Land habe nichts mit dem Iran-Krieg zu tun und wolle sich deshalb nicht in der Straße von Hormus engagieren, kritisierte der US-Präsident.
"Wir beteiligen uns nicht an diesem Krieg", hatte Merz am Montag in Berlin betont. Dieses Nein gelte auch für eine militärische Absicherung der Straße von Hormus. "Niemand will aktiv in diesen Krieg ziehen", sagte auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Ähnlich äußerten sich Großbritannien, Frankreich, Italien und andere Länder.