Gleichzeitig größte MöglichkeitStudie: Investitionslücke zwischen Deutschland und USA steigt auf 750 Milliarden Euro

Deutschland hat einer Studie zufolge seit 2019 eine Investitionslücke von bis zu 730 Milliarden Euro im Vergleich zu den USA aufgebaut.
Dies berge jedoch zugleich eine der größten Investitionsmöglichkeiten in Europa, geht aus einer am Freitag veröffentlichten Studie von Allianz Research hervor, die zum Regierungsgipfel "Invest in Germany" am Montag erscheint. Während die Investitionen in Deutschland zwischen 2019 und 2025 um 6,4 Prozent zurückgingen, stiegen sie im Rest der Eurozone um 6,7 Prozent und in den USA um 20,2 Prozent. Öffentliche Ausgaben allein reichten nicht aus, um die Lücke zu schließen. Entscheidend sei die Mobilisierung von privatem Kapital, um nachhaltiges Wachstum in Bereichen wie Energie, digitale Infrastruktur, Verkehr und Verteidigung anzustoßen.
Als Gründe für den Rückstand nennt die Studie hohe Energiekosten, die zweithöchste Steuer- und Abgabenbelastung innerhalb der OECD-Staaten, übermäßige Bürokratie und hohe Finanzierungskosten für Unternehmen. "Um dieses Kapital für Investitionen zu gewinnen, muss Deutschland vier zentrale Voraussetzungen in den Mittelpunkt stellen", sagte Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran. "Schnellere und einfachere Genehmigungs- und Vergabeverfahren, klare Standards für öffentlich-private Partnerschaften, Reformen der Altersvorsorge zur Stärkung langfristig orientierten Kapitals sowie standardisierte Investitionsstrukturen."
Zudem könnten rund 450 Milliarden Euro mobilisiert werden, wenn nur fünf Prozent der neun Billionen Euro aus Finanzanlagen deutscher Haushalte in produktive Investitionen umgeschichtet würden. Das staatlich geförderte private Altersvorsorgedepot, das im Januar 2027 starten soll, könne zum Katalysator für eine neue Investitionskultur in Deutschland werden.
"Deutschland ist für Investoren ein äußerst attraktiver Standort: industrielle Stärke, stabile Institutionen, Skalierbarkeit, Spitzenforschung und hoch qualifizierte Fachkräfte", sagte Allianz-Vorstand Andreas Wimmer. Die in den vergangenen Jahren entstandene Investitionslücke zeige jedoch, dass sich Investitionen nicht allein aus Potenzial ergäben.
Die Studie identifiziert konkrete Möglichkeiten: Die Energiewende erfordere bis 2045 rund 1,3 Billionen Euro, die digitale Infrastruktur bis 2030 bis zu 500 Milliarden Euro. Die Allianz selbst investiert nach eigenen Angaben rund 100 Milliarden Euro in Deutschland, was zwölf Prozent ihres globalen Anlageportfolios entspreche.