Studie zur EinkommensverteilungViele Deutsche halten sich für Mittelschicht – und gehören längst zu den Besserverdienern

Viele Deutsche ordnen sich der Mittelschicht zu, gehören aber oft schon zu den Besserverdienern.
Zu diesem Ergebnis kommt eine am heutigen Montag veröffentlichte Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Wer als Alleinlebender im Jahr 2024 über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 6050 Euro verfügte, zählte bereits zu den einkommensreichsten vier Prozent der Bevölkerung. Zur Mittelschicht im engeren Sinne gehörte ein Single demnach mit einem Einkommen zwischen 1940 und 3630 Euro netto. Die Untersuchung zeigt, dass viele Menschen ihre eigene Position in der Einkommensverteilung falsch einschätzen.
Ein Grund für die verbreitete Fehleinschätzung ist den Autoren zufolge, dass sich die meisten Menschen vor allem mit Personen aus ihrem direkten Umfeld mit ähnlichem sozioökonomischem Hintergrund vergleichen. "Reich sind vor allem die anderen – dieser Eindruck ist nachvollziehbar, kann aber täuschen", sagte die IW-Ökonomin Judith Niehues. So hätten Personen mit Hochschulabschluss im Median über ein bedarfsgewichtetes Einkommen von 3140 Euro verfügt und damit bereits zum oberen Drittel der Gesamtverteilung gehört. Besonders viele Wohlhabende gibt es demnach unter Paaren ohne Kinder, bei denen beide Partner arbeiten. Knapp zwölf Prozent von ihnen erreichten die für diesen Haushaltstyp geltende Reichtumsschwelle von 9070 Euro netto im Monat.
Das mittlere bedarfsgewichtete Haushaltsnettoeinkommen lag der Studie zufolge bei 2419 Euro im Monat. Dabei handelt es sich um einen statistischen Mittelwert, der alle Haushaltsgrößen vergleichbar macht und die Bevölkerung in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt.
Die Studie basiert auf den neuesten verfügbaren Befragungsdaten zu Einkommen und Lebensbedingungen in der EU für das Jahr 2024. Das IW stellt zudem einen interaktiven Rechner zur Verfügung, mit dem die eigene Position in der Einkommensverteilung ermittelt werden kann. "Wer erwerbstätig ist und einen höheren Bildungsabschluss hat, hat in Deutschland gute Chancen auf ein vergleichsweise hohes Einkommen", so die Verteilungsexpertin Niehues.