Wirtschaft
Schäden von rund 1,6 Milliarden Euro verursachten Unwetter in Deutschland und Frankreich im vergangenen Mai und Juni.
Schäden von rund 1,6 Milliarden Euro verursachten Unwetter in Deutschland und Frankreich im vergangenen Mai und Juni.(Foto: picture alliance/dpa)
Mittwoch, 11. Juli 2018

Weniger Naturkatastrophen: 2018 verläuft bislang ungewöhnlich glimpflich

So wenig Schäden durch Naturkatastrophen wie im ersten Halbjahr 2018 gab es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Die Zahl der Todesopfer liegt weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Kosten für die Versicherer sinken allerdings kaum.

Nach der Serie verheerender Stürme 2017 ist die Welt in diesem Jahr bislang von schweren Naturkatastrophen weitgehend verschont geblieben. Von Anfang Januar bis Ende Juni verzeichnete der weltgrößte Rückversicherer Munich Re rund um den Globus volkswirtschaftliche Schäden von 33 Milliarden Euro - im langjährigen Mittel ein niedriger Wert. "Man kann es auch als die Ruhe nach dem Sturm bezeichnen", sagte Ernst Rauch, Chef der Klima- und Geoforschung des Unternehmens.

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Weniger Schäden gab es zuletzt im ersten Halbjahr 2005. Auch die Zahl der Opfer war im ersten Halbjahr 2018 mit 3000 Toten weit niedriger als der langjährige Schnitt von 28.000 Todesopfern für die erste Jahreshälfte. 

Die Versicherer und Rückversicherer kamen allerdings nicht so glimpflich davon. Mit 17 Milliarden Dollar mussten sie für Naturkatastrophen-Schäden fast so viel zahlen wie im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Vor allem in Industriestaaten sind mehr Unternehmen und Privatleute gegen Naturgefahren versichert als früher.

Im vergangenen Jahr hatte dagegen eine Serie schwerer Hurrikans in der Karibik und den USA dreistellige Milliardenschäden verursacht. Schwerster Sturm in diesem Jahr war mit einem volkswirtschaftlichen Schaden von 2,7 Milliarden Dollar "Friederike", der im Januar über Großbritannien, Nordfrankreich, die Beneluxländer und Deutschland gezogen war.

Unwetter im Mai und Juni in Deutschland

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Die vergleichsweise geringen Schäden sind aber kein Indikator dafür, dass dies bis zum Jahresende so bleibt. "Es ist typisch, dass die Schäden in der ersten Jahreshälfte geringer ausfallen, da die schweren tropischen Stürme wetterbedingt erst in der zweiten Jahreshälfte auftreten", sagte Rauch. "Hurrikans und andere tropische Stürme bilden sich erst, wenn die Wassertemperatur 26 bis 27 Grad erreicht. Da kann es Einzelereignisse geben, die Schäden von über 100 Milliarden Dollar verursachen können."

Teuerster Sturm der Geschichte weltweit war nach Angaben der Munich Re bislang der Hurrikan Katrina im Jahr 2005, der einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 125 Milliarden Dollar verursachte. Vom Wetter gänzlich unabhängig sind Erdbeben, die jederzeit auftreten können. "Erdbeben lösen - verständlicherweise - Ängste aus, aber im langjährigen Mittel sind 80 bis 90 Prozent der Schadenereignisse wetterbedingt", sagte Rauch. "Erdbeben können schwere humanitäre Folgen auslösen, verursachen aber nur etwa 10 Prozent der ökonomischen Schäden."

In Europa liefert das aktuelle Wetter unterdessen weitere Anzeichen des Klimawandels. "Das Wetter in Deutschland in der ersten Jahreshälfte passt leider zu dem, was die langjährige Klimaforschung erwarten lässt", sagte Rauch. "Wir müssen mit feuchteren Wintern und trockeneren Sommern rechnen, in diesem Jahr haben wir ausgeprägte Trockenheit in Norddeutschland."

Auch die Schäden durch schwere Gewitter in Deutschland und Mitteleuropa nehmen in der Langfristbetrachtung zu. Im Mai und Juni verursachten sehr langsam ziehende Gewitter in Deutschland und Frankreich vielerorts Sturzfluten. Der Gesamtschaden durch die Unwetter belief sich laut Munich Re auf rund 1,6 Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de