Wirtschaft

Bestellboom in der Corona-Krise 63 Pakete pro Haushalt im Pandemiejahr

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Online-Einkäufe halten die Paketboten auf Trab.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Noch nie haben sich die Deutschen so viel nach Hause liefern lassen wie in der Corona-Zeit. Die Paketdienste rechnen mit noch mehr Sendungen in diesem Jahr. Ein Zurück wird es nach Erwartung der Branche nicht geben.

Von Mousepads über Gartenmöbel bis zu Kochzutaten: Paketauto um Paketauto eilt durch die Wohnviertel, ein Heer von Zustellern schleppt Kartons in die Häuser. 63 Pakete je Haushalt waren es im Schnitt 2020, fast dreimal so viele wie vor zehn Jahren. Der Paketberg ist allein im vergangenen Jahr um rund elf Prozent auf 4,05 Milliarden Sendungen gewachsen. Vier Prozent Plus waren erwartet worden. Doch es hatte niemand mit der Pandemie gerechnet, die geschlossene Läden und Schulen, Homeoffice und Video-Unterricht brachte.

In diesem Jahr werden weitere 320 Millionen Pakete zusätzlich erwartet. "Die Menschen konnten nicht reisen und haben sich ihre Terrassen und Gärten schöner gestaltet", sagt Marten Bosselmann, Chef des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK). Nie zuvor hätten die Zusteller so viele Pools und Gartenmöbel gebracht. Die Pakete waren sperriger, wenn auch nicht unbedingt schwerer, wie Klaus Esser sagt, Autor der Branchenstudie des BIEK.

Herkulesaufgabe für Paketdienste

Wachstumstreiber sind demnach die Privathaushalte, die mehr als die Hälfte der Pakete bestellt haben. Um 18,6 Prozent gingen die Zahlen nach oben. Das Wachstumstempo hat sich mehr als verdoppelt. Vor allem Online-Einkäufe treiben die Zahlen. Zunehmend bestellen die Deutschen auch im Ausland.

Die Menschen haben sich ans Bestellen gewöhnt. In diesem Jahr sollen die privaten Paketbestellungen um zehn Prozent zulegen. Was eigentlich erst 2025 vorgesehen war, erwartet der Verband nun schon im kommenden Jahr: 4,7 Milliarden Sendungen. Auch Branchenprimus DHL rechnet nach der Pandemie mit Zuwächsen von fünf bis sieben Prozent. Denn inzwischen kaufen die Kunden nicht nur neue Fernseher, Kleidung und Bücher online, sondern zunehmend auch Waren des täglichen Bedarfs, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) beobachtet.

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Auf dem Höhepunkt der dritten Corona-Welle vor Ostern gaben in einer Befragung das Instituts für Handelsforschung Köln 43 Prozent der Befragten an, dass sie nun Dinge online kaufen, für die sie normalerweise in die Geschäfte gehen. Je stärker sich das Virus ausbreitete, desto höher stieg der Wert. 83 Milliarden Euro flossen laut BEVH 2020 ins Online-Shopping, 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Paketdienste sprechen von einer Herkulesaufgabe - die sie gerne besser vergütet hätten. Aber dafür ist die Konkurrenz zu groß. Die Dienste fürchten zudem, dass in Großstädten auch Lebensmittel-Lieferdienste wie Gorillas oder Flink ins Paketgeschäft einsteigen.

Quelle: ntv.de, sbl/dpa

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