Drei Jahre für 965 MilliardenKI-Unternehmen Anthropic ist jetzt wertvoller als OpenAI

Lange Zeit scheint es so, als hätte OpenAI im globalen KI-Wettrennen einen scheinbar uneinholbaren Vorsprung. Kurz vor dem Börsengang rutscht der ChatGPT-Entwickler jedoch auf den zweiten Platz ab: Anthropic ist gut drei Jahre nach der Gründung 965 Milliarden Dollar wert.
Das KI-Unternehmen Anthropic ist nach einer neuen Finanzierungsrunde erstmals wertvoller als ChatGPT-Entwickler OpenAI. Anthropic sammelte am Donnerstag bei Investoren 65 Milliarden US-Dollar (rund 56 Milliarden Euro) ein. Vor dem erwarteten Börsengang in diesem Jahr wird der Tech-Konzern mit 965 Milliarden Dollar bewertet. OpenAI wurde zuletzt mit 852 Milliarden Dollar bewertet.
Beide Unternehmen streben in diesem Jahr einen Börsengang an. Anthropic ist inzwischen der Spitzenreiter im KI-Rennen. Der Umsatz des Unternehmens dürfte sich im zweiten Quartal auf 10,9 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln - eine explosive Wachstumsrate, die Anthropic laut dem "Wall Street Journal" helfen wird, erstmals einen operativen Gewinn zu erzielen.
Anthropic wurde 2021 von Dario Amodei und anderen ehemaligen Führungskräften von OpenAI gegründet. An der jüngsten Finanzierungsrunde nahm unter anderem Amazon teil. Der Online-Händler hatte im April angekündigt, bis zu 25 Milliarden Dollar in Anthropic zu investieren, da sich das KI-Startup verpflichtet hat, in den nächsten 10 Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar für Amazons Cloud-Technologien auszugeben. Anders als OpenAI hat Anthropic von Anfang an auf andere Unternehmen als größte KI-Kunden gesetzt, nicht auf Privatnutzer.
Vom Außenseiter zum Spitzenreiter
Die Bewertung von Anthropic hat sich somit gegenüber dem vorherigen Wert mehr als verdoppelt. Laut dem Datenanbieter Pitchbook Data handelt es sich um den bislang schnellsten Anstieg einer Unternehmensbewertung in der Geschichte des Risikokapitals. Anthropic erreichte seine jüngste Bewertung den Angaben zufolge etwa drei Jahre und zwei Monate nach der Einführung seines ersten Produkts. Das für seine Claude-Modelle bekannte Unternehmen ging Ende vergangenen Jahres viral, als professionelle und Hobby-Programmierer begannen, ein aktualisiertes Modell zusammen mit einem autonomen Codierungswerkzeug namens Claude Code zu testen.
Anthropic war zunächst ein Außenseiter im KI-Rennen. OpenAI hatte sich mit ChatGPT einen scheinbar uneinholbaren Vorsprung erarbeitet. Das KI-Unternehmen meldete, dass der Chatbot seit Ende 2022 Hunderte Millionen Nutzer gewonnen habe. Anstatt der Nutzung von Chatbots hinterherzujagen, konzentrierte sich Anthropic jedoch auf Geschäftskunden und die Automatisierung von Programmierungen. Das Unternehmen sah das teilautonome Schreiben von Software als Ausgangspunkt für fortschrittlichere KI-Fähigkeiten.
OpenAI hat mit Codex inzwischen ein ähnliches Produkt auf den Markt gebracht. Die beiden Unternehmen konkurrieren erbittert um Geschäftskunden. Anthropic, dessen Wachstum sich auf das Achtfache der ohnehin erwarteten Rate beschleunigt hat, sah sich mit einem Engpass bei den Rechenkapazitäten konfrontiert, der laut einigen Nutzern zu Ausfällen oder einer Verschlechterung der Fähigkeiten führte. Das Unternehmen schloss daraufhin einen Deal im Wert von fast 50 Milliarden Dollar mit SpaceX ab, um auf die Rechenleistung des Colossus-Rechenzentrums des Raketen- und KI-Unternehmens zuzugreifen.