CO2-Aussage empört AutofahrerViele ADAC-Mitglieder kündigen aus Wut - Verkehrschef nimmt seinen Hut

In einem Interview befürwortet Gerhard Hillebrand eine CO2-Bepreisung - die das Tanken teurer macht. Wütende Autofahrer treten daraufhin aus dem ADAC aus. Für das Präsidiumsmitglied ist nun ebenfalls Schluss bei dem Verkehrsclub.
Gerhard Hillebrand ist von seinem Amt als ADAC-Verkehrspräsident zurückgetreten, wie der Verkehrsclub mitteilte. Hintergrund sind demnach Interviewäußerungen, die "zu erheblichen Irritationen bei Mitgliedern sowie zahlreichen Beschwerden und Kündigungen geführt hatten".
Stein des Anstoßes war ein Interview kurz vor Weihnachten, das dem ADAC als Forderung nach höheren Spritpreisen ausgelegt wurde. "Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen", hatte Hillebrand der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gesagt. "Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen." Hillebrand hatte allerdings auch gesagt: "Aber dass sich die EU dabei etwas mehr Zeit lässt und Preisspitzen verhindert, um die Belastungen nicht zu stark werden zu lassen, das ist absolut in Ordnung."
"Mit seinem Schritt übernimmt Hillebrand persönlich Verantwortung für den entstandenen Reputationsschaden", heißt es nun in der Pressemitteilung des Vereins. "Hillebrand bedauert, dass seine Äußerungen Mitglieder verunsichert und verärgert sowie Glaubwürdigkeit gekostet haben."
Die "Bild"-Zeitung berichtete von 60.000 Kündigungen im Januar. Gleichzeitig zählte der ADAC 100.000 neue Mitglieder. Das Niveau der Neuzugänge entspricht dem Wert des Vorjahresmonats, wie eine Sprecherin ntv.de mitteilte. Wie viele Kündigungen üblich sind, verriet sie nicht.
"Die Zahl der Kündigungen zeigt, dass viele Mitglieder den Eindruck hatten, der ADAC habe seine Rolle als Anwalt der Autofahrer verlassen", sagte eine Sprecherin der "Bild"-Zeitung. "Das trifft den ADAC und wird sehr ernst genommen." Der Eindruck, der durch das Interview entstanden sei, passe nicht zu den klaren Positionen des Vereins. Hillebrands Bereich übernimmt kommissarisch ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze.