"Wir müssen mehr tun"AMS-Osram streicht Hunderte Jobs - auch in Bayern

Beim Chip- und Lichtsystemhersteller AMS-Osram regiert weiter der Rotstift. Der Sparkurs wird noch nochmals verschärft. Weltweit fällt gut jede neunte Stelle weg. Der Druck aus Asien ist hoch. In Europa sollen künftig nur noch Neuheiten produziert werden.
Der kriselnde deutsch-österreichische Chip- und Lichtsystemhersteller AMS-Osram will in den kommenden drei Jahren 2000 Stellen streichen - auch in Deutschland. In Regensburg in Bayern sollen Jobs "im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich" wegfallen, wie das Unternehmen mitteilte. AMS-Osram beschäftigt rund 19.000 Menschen weltweit, davon 2700 in der bayerischen Stadt. Die wegfallenden Jobs sind zur Hälfte in Europa, die andere Hälfte in Asien, wie das Unternehmen mitteilte. Österreich sei nicht betroffen.
Das Unternehmen begründete das Sparprogramm mit einem wachsenden Preisdruck auf dem Markt für hochwertige optische Halbleiter; es gebe neue Wettbewerber in Asien, zwischen den schon etablierten Unternehmen tobe ein harter Kampf. "Wir müssen mehr tun, um dem wachsenden Preisdruck und den Kostensteigerungen zu begegnen", sagte Konzernchef Aldo Kamper. In Europa sollten künftig nur noch neue Produkte gefertigt werden, etablierte in Asien. "Dort können wir um bis zu 50 Prozent günstiger produzieren. Deutschland ist da nicht mehr wettbewerbsfähig."
AMS-Osram will mit dem "Simplify" genannten Sparprogramm die Kosten bis 2028 um weitere 200 Millionen Euro senken. Damit und mit dem in der vergangenen Woche angekündigten Verkauf eines Teils des Sensor-Geschäfts an Infineon "schärfen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und gewinnen die finanzielle Flexibilität zurück, gezielt in unser Wachstum zu investieren", sagte Kamper. Die traditionellen Autolampen sollen dabei die Investitionen in das neue Halbleiter-Kerngeschäft finanzieren. Das vorangegangene, 250 Millionen Euro schwere Sparprogramm ist gerade erst vorzeitig abgeschlossen worden.
Finanzvorstand Rainer Irle veranschlagt die Kosten für die neue Sparrunde auf rund 150 Millionen Euro, die dazu führen dürften, dass AMS-Osram auch in diesem Jahr nicht aus den roten Zahlen kommen wird. Dabei gehe es nicht nur um Abfindungen, sondern auch um die Kosten für die Verlagerung von Maschinen von Regensburg nach Malaysia und den Umbau der Fabrik dort. Das Werk in Regensburg soll eine ganze Produktfamilie verlieren. Das bereits verkündete Aus für das Werk Schwabmünchen bei Augsburg mit 270 Beschäftigten bis Ende 2027 und der Abbau von 100 Stellen in Herbrechtingen bei Ulm sind ebenfalls Teil der Kürzungen.
AMS-Osram machte im vergangenen Jahr einen Verlust von 129 Millionen Euro, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Das sei eine deutliche Verbesserung im Vorjahresvergleich mit einem Verlust von 785 Millionen Euro. Der Umsatz ging um drei Prozent auf 3,32 Milliarden Euro zurück, das Chip-Kerngeschäft wuchs währungsbereinigt um sieben Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) verbesserte sich um sechs Prozent auf 608 Millionen Euro, das entsprach einer Marge von 18,3 Prozent. Dabei drückten höhere Preise für Gold, Silber und Seltene Erden auf das Ergebnis.
Für das laufende Jahr rechnet AMS-Osram nach dem Verkauf von Firmenteilen an Infineon und die japanische Ushio mit einem moderaten Umsatzrückgang. Im ersten Quartal sei ein Umsatz zwischen 710 Millionen und 810 Millionen Euro zu erwarten, bei einer Marge von 13,5 bis 16,5 Prozent.