Wirtschaft

Vorentscheidung gefallen Air-Berlin-Bieter Wöhrl ist "entsetzt"

Die absehbare Zerschlagung von Air Berlin bringt Hans Rudolf Wöhrl in Rage. Der Geschäftsmann kritisiert scharf die Vorentscheidung zugunsten der Lufthansa. Wöhrl beklagt, dass sein Konzept gezielt diffamiert worden sei.

Im Air-Berlin-Insolvenzverfahren hat der unterlegene Bieter Hans Rudolf Wöhrl empört auf die Vorentscheidung zugunsten der Lufthansa reagiert. Man habe "zu keinem Zeitpunkt ernsthaft eine andere Lösung als die Zerschlagung und die Zuteilung der Fragmente an Lufthansa und einige weitere Bieter" verfolgt, kritisierte der Geschäftsmann.

Air Berlin
Air Berlin ,01

Das von seiner Intro-Verwaltung erarbeitete Konzept sei nie ernsthaft geprüft und gezielt diffamiert worden. Erschwerend sei hinzugekommen, dass in dem Verfahren die Kommunikation der Bieter untereinander verboten gewesen sei, monierte der einstmalige Besitzer der in Air Berlin aufgegangenen Airlines LTU und Deutsche BA. Gerade die Zusammenarbeit sei aber ein elementarer Bestandteil für die vorgeschlagene Gesamtlösung gewesen.

Wöhrl hatte als erste Kaufpreisquote für das gesamte Unternehmen 50 Millionen Euro geboten und weitere 450 Millionen Euro bei einem geschäftlichen Erfolg seines Chartekonzepts in Aussicht gestellt. Er sei "persönlich entsetzt", was in diesem Land möglich sei, schrieb Wöhrl in einer Mitteilung.

Wöhrl kündigte zunächst keine Klage gegen die Entscheidung des Gläubigerausschusses an. Er erklärte: "Als schon fast ehrverletzend betrachten wir die Äußerung, dass wir dieses Angebot nur gemacht hätten, um uns an einer 'Strafzahlung' für den Fall, dass wir auf gerichtliche Schritte verzichten, schadlos halten wollten."

Indirekter VC-Appell an Piloten

Derweil will die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bei Air Berlin möglichst alle Pilotenjobs retten. Dass große Unternehmensanteile voraussichtlich an die Lufthansa-Tochter Eurowings und den Billigflieger Easyjet gehen, habe niemanden wirklich überrascht, sagte VC-Vorstandsmitglied James Phillips. Man werde nach der offiziellen Bekanntgabe der bevorzugten Bieter am kommenden Montag schnell auf die Unternehmen zugehen, um kollektive Übergangsregeln zu verhandeln.

Die Kollegen hätten verstanden, dass man mit der insolventen Air Berlin keine Vereinbarungen mehr treffen könne über die Zukunft in anderen Unternehmen. Massenhafte Krankmeldungen machten insofern überhaupt keinen Sinn, sondern erschwerten nur die Gespräche. Phillips zeigte sich optimistisch, sämtliche rund 1200 Piloten unterbringen zu können, selbst wenn nicht die komplette Flotte weiterbetrieben würde. Mindestens auf ein Ende der Langstreckenflüge deutet vieles hin.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa