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Mittwoch, 25. Oktober 2017

Hoffnung auf "kleine Lösung": Air-Berlin-Mitarbeiter stehen vor Kündigung

Die Insolvenz von Air Berlin hat für Tausende Mitarbeiter ein bitteres Nachspiel: Sie dürften ihren Job verlieren. Eine geplante Auffanggesellschaft kommt wegen ungenügender Finanzierung nicht zustande. Hoffnung könnte es für Berliner Angestellte geben.

Tausende Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin stehen vor der Kündigung. Eine zunächst erhoffte Auffanggesellschaft für bis zu 4000 Beschäftigte ist vom Tisch. Möglich ist aber noch eine kleine Variante für die Belegschaft in Berlin.

Der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen sagte nach einem Treffen von Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern mit dem Bund, man habe sich nicht auf eine Lösung verständigen können. Bayern habe kein Geld geben wollen, Nordrhein-Westfalen und der Bund nur in einem geringen Umfang. Deshalb werde es eine Transfergesellschaft für alle Betroffenen "aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben". Berlin werde aber eine "kleine Lösung" für die Berliner Beschäftigten unterstützen, sagte Kollatz-Ahnen.

Nach Angaben von Air Berlin könnten in diese kleine Transfergesellschaft rund 1200 Beschäftigte des Bodenpersonals aufgenommen werden, davon 1100 mit Standort Berlin. Kollatz-Ahnen erläuterte, Ziel sei es, diejenigen in die Transfergesellschaft aufzunehmen, die geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Für Piloten und Flugbegleiter ist es im Vergleich deutlich leichter, eine neue Stelle zu finden.

Der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren von Air Berlin, Frank Kebekus, äußerte sich optimistisch: "Ich bin zuversichtlich, dass wir zügig grünes Licht aus Berlin bekommen werden." Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sprach von einem positiven Signal für die Mitarbeiter in der Verwaltung. Der Berliner Senatskanzleichef Björn Böhning von der SPD machte deutlich, dass jetzt zunächst Insolvenzverwalter und Betriebsrat am Zug seien.

Der Gesamtbetriebsrat des Bodenpersonals vereinbarte laut Air Berlin mit dem Unternehmen einen Sozialplan. Dieser ist Voraussetzung für die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Dagegen geht die Personalvertretung der Flugbegleiter von Air Berlin juristisch gegen die in wenigen Tagen drohenden Entlassungen vor. In einem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung fordert sie, Kündigungen zu verbieten, weil es mit dem Arbeitgeber keine Verhandlungen über einen Sozialplan gegeben habe. Das Gericht wird darüber am 2. November beraten.

"Aus der Verantwortung gestohlen"

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte das Scheitern einer Auffanggesellschaft. "Es ist völlig unverständlich, dass sich Erwerber und die Politik nicht dazu bereitgefunden haben, den Beschäftigten von Air Berlin unter die Arme zu greifen, weil sie keinen ausreichenden Beitrag für eine Auffanggesellschaft leisten wollen", teilte Vorstandsmitglied Christine Behle mit. Nordrhein-Westfalen und Bayern hätten sich ebenso aus der Verantwortung gestohlen wie der Bund, sagte Behle. Lediglich Berlin sei bereit, soziale Verantwortung zu übernehmen.

Bayern und auch die Lufthansa, die große Teile der Air Berlin übernehmen will, hatten eine finanzielle Beteiligung an einer Transfergesellschaft abgelehnt. Der Gläubigerausschuss von Air Berlin hätte bis zu 10 Millionen Euro bereitgestellt - bei einem angenommenen Finanzbedarf von bis zu 50 Millionen Euro.

In einer Transfergesellschaft werden Mitarbeiter vorübergehend freiwillig angestellt und in neue Jobs vermittelt. Sie bekommen dort weniger Geld als zuvor, müssen sich aber nicht arbeitslos melden und gewinnen Zeit für die Stellensuche.

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Am Freitag stellt die Airline ihren eigenen Flugbetrieb endgültig ein. Im Air-Berlin-Konzern gibt es zurzeit rund 6800 Vollzeitstellen, die sich auf etwa 8000 Mitarbeiter verteilen.

Die Lufthansa will rund 3000 Mitarbeiter bei ihrer Tochter Eurowings einstellen: Rund die Hälfte davon wird mit den Air-Berlin-Töchtern Niki und LG Walter übernommen, auf die anderen Stellen müssen sich Ex-Air-Berliner bewerben. Das sorgt für Unmut bei Gewerkschaften, die große Gehaltseinbußen befürchten. Einige Flugbegleiter wollen auch gerichtlich gegen mögliche Kündigungen vorgehen.

Quelle: n-tv.de

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