Wirtschaft

Lieferprobleme bei TriebwerkenAirbus vermeldet deutlichen Gewinneinbruch

28.04.2026, 20:57 Uhr
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Airbus liefert dieses Jahr bisher weniger Flugzeuge aus als geplant.

Beim deutsch-französischen Flugzeugbauer Airbus sinken sowohl das Ergebnis vor Steuern als auch der Umsatz im ersten Quartal. Der Konzern kann deutlich weniger Flugzeuge ausliefern als im Vorjahreszeitraum. Dafür ist speziell ein Problem mit den Zulieferern des Unternehmens verantwortlich.

Probleme mit Triebwerks-Lieferanten und der schwache Dollar bremsen den weltgrößten Flugzeugbauer Airbus aus. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) brach in den ersten drei Monaten des Jahres um gut die Hälfte auf 300 (2025: 624) Millionen Euro ein, wie der französisch-deutsche Konzern mitteilte. Das bereinigte Ebit blieb hinter den Schätzungen der Analysten zurück, die im Mittel bei 348 Millionen gelegen hatten.

Der Umsatz fiel um sieben Prozent auf 12,65 Milliarden Euro, nachdem Airbus bis Ende März erst 114 Verkehrsflugzeuge ausliefern konnte, 22 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Das liege weiterhin am Mangel an Pratt & Whitney-Triebwerken für den Verkaufsschlager Airbus A320, der den Konzern noch bis ins Jahr 2027 begleiten werde, sagte Vorstandschef Guillaume Faury.

Der Iran-Krieg und die Spannungen im Nahen Osten hätten den Konzern bisher nicht erfasst, sagte der Airbus-Chef. "Wir sehen, dass die Fluggesellschaften ihre Flugpläne ausdünnen und Flüge streichen, aber wir sehen bisher keine Stornierungen von Bestellungen und keine Bitten um Verschiebung." Das liege auch daran, dass die Fluggesellschaften angesichts der drohenden Kerosin-Knappheit effiziente und sparsame Flugzeuge brauchten, um weiter fliegen zu können.

Zudem steige die Nachfrage nach alternativen Treibstoffen (SAF), die dem Kerosin beigemischt werden. "Wir beobachten die möglichen Folgen der sich rasch verändernden Situation im Nahen Osten eng", resümierte Faury. Von Januar bis März wurden netto 398 (204) Flugzeuge bestellt, der Auftragsbestand hat die Marke von 9000 Maschinen übersprungen.

Lieferanten erfüllen Zusagen nicht

Faury war Pratt & Whitney (P&W), einen seiner beiden wichtigsten Triebwerkslieferanten, im Februar ungewöhnlich scharf angegangen: Die Amerikaner hätten ihre Zusagen für die Lieferung von Triebwerken nicht erfüllt. Auch die Münchner MTU Aero Engines ist an dem Triebwerksprogramm von P&W beteiligt. An der Lage habe sich nichts geändert, sagte Faury. "Aber wir machen Fortschritte, Pratt & Whitney versucht, das Problem zu lösen." 20 Maschinen, die nach China gehen sollten, hätten im ersten Quartal wegen Problemen mit den Behörden dort nicht ausgeliefert werden können. Die Angelegenheit sei aber inzwischen geklärt, die ersten Maschinen unterwegs, sagte Faury. Es sei nicht um geopolitische Fragen gegangen.

Airbus selbst hat Probleme mit der Rumpfverkleidung des A320, deretwegen 600 Flugzeuge überprüft werden mussten. Dies und der Mangel an Triebwerken führe dazu, dass die Produktion sich in diesem Jahr noch mehr als gewöhnlich zum Jahresende ballen werde, sagte Finanzvorstand Thomas Toepfer. Von seinem Ziel, im Jahr 2026 rund 870 (793) Flugzeuge auszuliefern und damit ein bereinigtes Ebit von 7,5 Milliarden Euro zu erwirtschaften, halte Airbus fest. "Wir fahren die Produktion weiter hoch und produzieren nach Plan", trotz der fehlenden Triebwerke, sagte Faury.

Unter dem Strich stand im ersten Quartal ein Gewinn von 586 Millionen Euro, der um ein Viertel hinter dem Vorjahresniveau herhinkte. Der Gewinnrückgang sei auch ungünstigen Kurssicherungs-Geschäften geschuldet, räumte Finanzchef Toepfer ein. Die Dollar-Schwäche habe man aber so erwartet. Flugzeuge werden meist in Dollar abgerechnet, Airbus bilanziert aber in Euro. Künftig wolle der Flugzeugbauer noch mehr auf natürliches Hedging setzen, sagte Toepfer: mehr Einnahmen in Euro - und mehr Kosten, die in Dollar anfielen.

Zur Zukunft des umstrittenen europäischen Kampfjet-Projekts FCAS äußerte sich der Airbus-Chef zurückhaltend. "Ich will nicht sagen, dass die Meinungsverschiedenheiten gelöst sind, aber ich gehe davon aus, dass die Beteiligten weiterhin daran arbeiten, den besten Weg nach vorn zu finden", sagte er. Airbus wolle eine wichtige Rolle dabei spielen. Der Streit war entbrannt, weil der französische Partner Dassault vehement auf die Führung bei dem Projekt pochte. Zurzeit läuft ein Versuch, den Streit zu schlichten. Als mögliche Lösung gilt, das Projekt an sich fortzusetzen, aber zwei Flugzeuge zu entwickeln - eines für Frankreich und eines für Deutschland.

Quelle: ntv.de, lme/rts

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