Wirtschaft

Lufthansa geht auf Condor zu Airlines einig nach Streit um Zubringerflüge

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Seit' an Seit' und doch zerstritten: die große Lufthansa und der kleinere Ferienflieger Condor.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Seit Monaten kracht es zwischen Lufthansa und Condor: Nachdem die Kranich-Airline dem Ferienflieger die Möglichkeit genommen hatte, Zubringerflüge der Lufthansa über eigene Vertriebskanäle zu vermarkten, beschwerte Condor sich beim Kartellamt. Nun sind sich beide vorerst einig - doch der Frieden ist brüchig.

Im Streit zwischen der Lufthansa und Condor über Zubringerflüge haben die beiden Airlines eine vorübergehende Einigung erzielt. Sie verlängern nun eine zunächst aufgekündigte Vereinbarung für alle Flüge bis zum 10. Mai 2022, wie Lufthansa mitteilte. Das Kartellamt in Bonn erklärte, es könne sein Eilverfahren dazu nun voraussichtlich einstellen.

Die kommerzielle Vereinbarung zwischen Lufthansa und Condor, das sogenannte Special Prorate Agreement, erlaubt es Condor, Zubringerflüge der Lufthansa über die eigenen Vertriebskanäle zu vermarkten und so eine durchgehende Urlaubsreise anzubieten. So können Reisebüros den kompletten Urlaubstrip als Paket anbieten und frühzeitig vermarkten. Condor ist auf ein Zubringernetz angewiesen, um die eigenen Langstreckenflugzeuge zu füllen.

Zum Juni 2021 erfolgte allerdings die Kündigung der Vereinbarung durch die Lufthansa - diese begründete den Schritt mit dem Ziel, in der derzeitigen Corona-Krise die eigenen Jets auszulasten. Der Ferienflieger Condor legte daraufhin Beschwerde beim Kartellamt ein und warf der Lufthansa einen Missbrauch ihrer marktbeherrschenden Stellung vor. Die vorläufige Verlängerung der Vereinbarung erfolgte nun vor dem Hintergrund der "erwarteten Dauer des Hauptsacheverfahrens beim Bundeskartellamt", erklärte die Lufthansa. Bis dahin solle für Kunden und Partner "Sicherheit" geschaffen werden.

Kartellamt prüft auf Marktbeherrschung

Das Kartellamt erklärte, im Hauptsacheverfahren werde geprüft, ob die Vereinbarung über die kommenden zwölf Monate hinaus aufrechterhalten werden müsse. Die Lufthansa sei nach vorläufiger Auffassung der Behörde beim Angebot von Zubringerflügen zu den großen deutschen Flughäfen "marktbeherrschend". Daher müssten noch "weitere kartellrechtliche Fragestellungen" geprüft werden.

Ein Sprecher des Kartellamts ergänzte dazu, es werde jetzt genau geprüft, ob eine Marktbeherrschung vorliege und ob sie missbraucht werde. Zudem werde sich die Behörde das Machtverhältnis zwischen Lufthansa und Condor anschauen.

Auch die EU-Kommission hatte Druck gemacht, damit die Lufthansa dem kleineren Konkurrenten nicht das Geschäft erschwert. Beide Airlines werden mit staatlichen Finanzhilfen in der Corona-Krise gestützt und sind harte Rivalen im Kampf um einen Neustart des von der Pandemie hart getroffenen Fluggeschäfts. Trotz des Burgfriedens über die kommenden zwölf Monate schwelt der eigentliche Konflikt weiter. Knackpunkt ist, dass die Lufthansa künftig mehr Tourismusstrecken fliegen will, da wegen der Virus-Krise der Verkehr mit Geschäftsreisen wohl noch länger schwächeln dürfte.

Quelle: ntv.de, mbe/AFP/rts

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