Wirtschaft

Noch Tausende Klagen anhängig Aktionäre stufen Bayer-Aktie als giftig ein

Für den Pharma- und Agrarkonzern Bayer entwickelt sich der Monsanto-Kauf immer mehr zu einem Desaster. In einem richtungsweisenden Prozess kassierte der Dax-Konzern eine Schlappe. An der Börse geht die Aktie in den Sinkflug über.

Eine Schlappe in einem richtungweisenden Glyphosat-Prozess in den USA versetzt der Laune der Bayer-Aktionäre einen herben Dämpfer. Der Aktienkurs brach bis zum Mittag um mehr als zwölf Prozent auf 61,09 Euro ein. Vor einem Jahr kosteten die Aktien noch rund 100 Euro. 

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Eine Geschworenen-Jury in San Francisco hatte einstimmig entschieden, dass der Monsanto-Unkrautvernichter Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen sei.

Citi macht St. Louis-Prozess zum Gradmesser

Goldman Sachs schrieb in einer vor Handelsbeginn verbreiteten Schnelleinschätzung, es sei damit zu rechnen, dass Investoren das Jury-Votum zu Hardeman als Vorentscheidung für 765 weitere, ähnlich gelagerte Fälle gegen Bayer nehmen werden. Sie sind zwar vor anderen Bundesgerichten in den USA anhängig, wurden vom zuständigen Richter im Fall Hardeman aber gemeinschaftlich vorbereitet. Der Fall Hardeman gilt als Bellwether-Prozess- also als Leit-Prozess. Vor diesem Hintergrund könnten die Folgen für die Bayer-Aktie "erheblich sein", warnte Goldman.

Für Bayer dürfte es nun nur noch darum gehen, den Schaden zu begrenzen, sagte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Mit Blick auf die zweite Prozessphase sei das Schlimmste zu befürchten.

Analyst Michael Leacock sagte, die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bayer und die im Zentrum der Klagen stehende US-Saatguttochter Monsanto eine große Zahl der vielen tausend Glyphosat-Klagen verlieren könnte. Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11.200 Klägern zugestellt.

Die Analysten von Citi verwiesen darauf, dass in der Notierung von Bayer bereits ein Prozessrisiko von rund 22 Milliarden Euro enthalten sei. Möglicherweise seien die beiden Fälle in Kalifornien auch nicht repräsentativ, so die Analysten von Citi. Sie empfehlen Investoren, ein Verfahren abzuwarten, das in St. Louis geführt wird, wo Monsanto sitzt. Allerdings rechnet auch Citi nicht so bald mit einer Trendwende. "Die Aktiennotierung wird wahrscheinlich so lange gedrückt bleiben, bis es klare Anzeichen dafür gibt, dass Bayer in einem oder mehreren der sechs Fälle, die 2019 vor Gericht gehen, obsiegen wird", schreiben ihre Analysten.

Turbulente Hauptversammlung erwartet

Erst im vergangenen Sommer hatte eine Jury ebenfalls in Kalifornien Bayer zu einer Strafzahlung von 289 Millionen Dollar an einen krebskranken Hausmeister verdonnert. Die Summe wurde später auf 78 Millionen Dollar gesenkt, die Richterin bestätigte jedoch, dass Glyphosat für den Krebs des Klägers ursächlich sei. Bayer ist gegen das Urteil in Berufung gegangen.

Bayer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zwar enttäuscht von der Entscheidung, bleibt aber davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachten. Doch auch angesichts des fallenden Aktienkurses werden die Fragen an Bayer-Chef Werner Baumann lauter, ob er die Risiken beim rund 63 Milliarden Dollar schweren Kauf von Monsanto unterschätzt hat.

Entsprechend harsch dürfte die Kritik auf der Bayer-Hauptversammlung am 26. April ausfallen. So bezeichnete Christian Strenger von der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex den Monsanto-Kauf in einem dem "Manager Magazin" vorliegenden Brief unlängst als "den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte". Strenger fordert demnach die übrigen Aktionäre auf, Baumann und seinen Vorstandskollegen die Entlastung zu verweigern.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/DJ

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