Inflationsdruck steigtAn der Wall Street macht sich Ernüchterung breit

Die jüngste Rekordserie der US-Börsen findet ein vorläufiges Ende, die Stimmung der Anleger verfinstert sich. Die Verbraucherpreise sind zuletzt schneller gestiegen als erwartet, während die Hoffnungen auf eine baldige Einigung mit dem Iran schwinden.
Überraschend hohe Inflationsdaten und Sorgen über die fragile Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran haben am Dienstag an der Wall Street für gedämpfte Stimmung gesorgt. Während der technologielastige Nasdaq und der breit gefasste S&P 500 von ihren Rekordhochs abrutschten, hielt sich der Dow-Jones-Index dank Kursgewinnen im Gesundheitssektor im Plus. "Unsere Prognose war, dass der Markt abflacht, ganz einfach weil während der Berichtssaison Gier herrscht und danach Angst", sagte Jay Hatfield, Portfoliomanager bei InfraCap.
Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,1 Prozent fester mit 49.761 Punkten. Der S&P 500 verlor 0,2 Prozent auf 7401 Stellen, die Nasdaq 0,7 Prozent auf 26.088 Zähler. Die Indizes erholten sich im Handelsverlauf allerdings von ihren Tagestiefs.
Die Verbraucherpreise in den USA waren zuletzt schneller gestiegen als von Analysten erwartet. Der Grund liegt auf der Hand: Die Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten für den Öltransport, ist infolge des Krieges mit dem Iran immer noch gesperrt. "Die Inflation wird nicht besser, solange die Ölpreise nicht sinken", sagte Hatfield.
Die Sorge vor einem anhaltenden Konflikt und dauerhaft hohen Energiepreisen dämpfte die Hoffnungen auf eine Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed in diesem Jahr. Stattdessen steigen die Erwartungen einer Zinserhöhung: Dem FedWatch-Tool der CME-Börse zufolge preisen die Finanzmärkte nun eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 30 Prozent ein, dass die Fed den Leitzins im Dezember um einen Viertelprozentpunkt anhebt. Am Montag hatte dieser Wert noch bei 21,5 Prozent gelegen.
Der US-Senat bestätigte unterdessen Kevin Warsh für das Direktorium der Notenbank. Er wird aller Voraussicht nach neuer Fed-Chef. US-Präsident Donald Trump, der Warsh ausgewählt hatte, hat sich wiederholt für Zinssenkungen ausgesprochen. Hatfield zufolge wird Warsh die Zinsen aber selbst dann nicht senken können, wenn er es wollte.
Keine Einigung mit Iran in Sicht
In dem vor elf Wochen von den USA und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran deutet nichts auf eine baldige Lösung hin - im Gegenteil, der Waffenstillstand wirkt brüchig. Trump sagte, die Waffenruhe werde "künstlich am Leben gehalten", nachdem der Iran einen US-Vorschlag zur Beendigung des Konflikts abgelehnt hatte. Irans Gegenforderungen bezeichnete Trump als "Müll". Allerdings hat der US-Präsident noch keinen Weg gefunden, den Krieg zu seinen Bedingungen zu beenden. Auch dauert der Konflikt schon viel länger als von Trump ursprünglich in Aussicht gestellt.
Der US-Präsident reist noch in dieser Woche nach Peking, um sich mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zu treffen. Dabei soll es nach US-Angaben unter anderem um Zölle, US-Militärhilfen für Taiwan, ein Abkommen über Seltene Erden sowie eine mögliche Vermittlerrolle Chinas im Iran-Konflikt gehen.
Am Aktienmarkt trennten sich Anleger vor allem von den zuletzt kräftig gestiegenen Chipaktien, die ihre Verluste im Verlauf aber wieder verringerten. Micron, Seagate und Western Digital verbilligten sich um bis zu 5,3 Prozent. Intel und AMD verloren 0,4 und 2,3 Prozent. Nvidia (+0,6%) hielten sich besser als der restliche Sektor und markierten im Verlauf sogar ein neues Rekordhoch. Sie könnten von einigen optimistischen Analystenkommentaren profitiert haben, die mit einer positiven Überraschung rechnen, wenn der Konzern in der kommenden Woche Zahlen vorlegt.
Ebay lehnt Übernahme durch Gamestop ab
Ebay will sich nicht von Gamestop übernehmen lassen. Wie der Betreiber des gleichnamigen Online-Marktplatzes mitteilte, hat das Board die Offerte im Volumen von 56 Milliarden US-Dollar abgelehnt. Weiter hieß es, der Konzern sei zuversichtlich, dass sein derzeitiges Managementteam gut aufgestellt sei, um das Geschäft weiterhin zu führen und das Wachstum voranzutreiben. Die Ebay-Aktie schloss 2,1 Prozent höher, Gamestop fielen um 3,3 Prozent.
Mit Enttäuschung wurden Zahlen und Ausblick von Under Armour aufgenommen. Die Aktie des Sportartikelherstellers sackte um fast 17 Prozent ab.
Humana legten dagegen zu, nachdem das Analysehaus Bernstein das Kursziel für den Krankenversicherer um 36 Prozent angehoben hatte. Zebra Technologies und der Flüssiggas-Exporteur Venture Global profitierten von angehobenen Jahresprognosen. Hims & Hers Health brachen hingegen ein, nachdem der Telemedizin-Anbieter mit seinem Quartalsumsatz die Erwartungen der Wall Street verfehlt und überraschend einen Verlust verbucht hatte.
Bristol Myers stiegen um 1,4 Prozent. Der US-Pharmakonzern hat eine strategische Partnerschaft und ein Lizenzabkommen mit dem chinesischen Arzneimittelhersteller Hengrui Pharmaceuticals geschlossen.