Wirtschaft

Unternehmen sucht Partner Anleger reißen sich um Curevac

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Curevac rechnet inzwischen damit, Mitte 2021 einen zulassungsfähigen Impfstoff zu haben.

(Foto: REUTERS)

Das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac ist erfolgreich an der US-Börse gestartet. Gleich der erste Kurs übertraf den Ausgabepreis fast um das Dreifache. Und die Tübinger heizten die Hoffnungen nochmals an: Der Impftstoff-Kandidat sei vielversprechend. Nun suche man Partner.

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac hat einen fulminanten Start an der US-Börse hingelegt. Die Papiere der Firma, die an einem Corona-Impfstoff arbeitet, gingen zu jeweils 16 Euro an Anleger - die Aktie explodierte geradezu und schloss bei 54,26 Dollar. Curevac erlöste bei der Aktienplatzierung mehr als 200 Millionen Dollar. Der Hauptinvestor, SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, wird nach dem Börsengang mit einem Anteil knapp unter 50 Prozent die Kontrolle behalten.

Die Fantasie der Anleger sowie die Hoffnung auf einen Impfstoff beflügelte zum Börsengang nochmals Firmenchef Franz-Werner Haas. "Wir glauben, einen sehr guten Wirkstoffkandidaten entwickelt zu haben", sagte er dem "Handelsblatt". Die bisherigen Testresultate sähen gut aus, auch was die Sicherheit und Verträglichkeit anbelange.

"Alleine werden wir das nicht schaffen"

Ein zentrales Ziel des Börsengangs ist, Geld für die Entwicklung des Corona-Impfstoffs einzusammeln. Aus dem Erlös werden dafür rund 150 Millionen Dollar veranschlagt. Mit weiteren 50 Millionen Dollar soll die kurzfristige Produktionskapazität für das Mittel ausgebaut werden. Zudem sollen andere Forschungsprogramme des Unternehmens finanziert werden, darunter ein Impfstoff gegen Tollwut und mehrere Krebstherapien. Insgesamt verfügt das Tübinger Unternehmen inzwischen über Finanzreserven von mehr als 800 Millionen Euro.

"Geld ist momentan nicht das Problem. Wir brauchen einen Impfstoff", sagte Haas der SZ. Dafür sucht das Unternehmen nun nach einem Partner für die Produktion und Vermarktung. "Alleine werden wir das nicht schaffen", sagte er. Bis zur Marktzulassung brauche CureVac "um die 400 Millionen Euro."

Noch haben die Tübinger keine Bestellungen für ihren Impfstoff erhalten. "Aber wir reden mit verschiedenen Regierungen", sagte Haas. Ein Preis im Bereich von 10 bis 15 Euro je Impfstoff-Dosis sollte dem Vorstandschef zufolge machbar ein. Bis CureVac selbst in die Massenherstellung einsteigen kann, wird noch Zeit vergehen. "Wir bauen gerade die Produktion in unserem bestehenden Werk auf. Die Großanlage soll dann 2022 in Betrieb gehen, dann können wir Milliarden Dosen liefern."

"Brauchen weitere Finanzierungsquellen"

Curevac ist bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 einer von mehreren Hoffnungsträgern weltweit - und nicht der einzige, der dafür frisches Geld an der Börse hebt. Am Vortag war die bereits in Hongkong notierte Aktie der chinesischen Firma Cansino auch in Shanghai in den Handel gekommen - und der Kurs verdoppelte sich zeitweise.

Curevac wurde die zunächst 13,3 Millionen Anteilsscheine für jeweils 16 Dollar los - am oberen Ende der veranschlagten Preisspanne. Die Platzierung war zwölffach überzeichnet. Finanzchef Pierre Kemula betonte, dass mit dem Börsengang der Bedarf an frischem Kapital noch lange nicht gedeckt sei. "Wir werden uns immer nach zusätzlichen Finanzierungsquellen umsehen", sagte er. Als Biotech-Firma ohne signifikante Umsätze sei Curevac das gewohnt. Curevac verbuchte im vergangenen Jahr einen Verlust von knapp 100 Millionen Euro bei rund 17,5 Millionen Euro Umsatz.

Der Corona-Impfstoff von Curevac ist derzeit in einer Phase-1-Versuchsreihe, deren Ergebnisse im Schlussquartal vorliegen sollen. Aktuell testet Curevac das Mittel hauptsächlich in Europa, in der nächsten Versuchsrunde mit 20.000 bis 30.000 Personen will die Firma auch nach Südamerika, Afrika und Asien gehen. Es ist geplant, diese größere Testreihe Mitte 2021 abzuschließen. Dann könnte es auch in einigen Ländern außerordentliche Genehmigungen geben, den Impstoff zu verabreichen. Curevac hat zum Stand Ende Juni 484 Beschäftigte. Bis auf 13 in den USA arbeiten sie alle in Deutschland.

Hopp hielt bisher über seine Firma Dievini knapp 54 Prozent an Curevac, nach dem Börsengang werden es gut 49 Prozent sein. Die stattliche Förderbank KfW kommt dann noch auf knapp 17 Prozent und der Pharmakonzern GlaxoSmithKline auf gut 8 Prozent. An der Börse werden nun knapp zehn Prozent der Anteile gehandelt. In einer kürzlich abgeschlossenen Finanzierungsrunde hatte Curevac bereits rund 560 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Darunter war auch der Bund, der im Juni den Einstieg der KfW für 300 Millionen Euro mitgeteilt hatte. Ziel war demnach auch, im Rennen um einen Corona-Impfstoff eine mögliche Übernahme aus dem Ausland zu verhindern. Als weitere Investoren traten etwa der Staatsfonds von Katar und GlaxoSmithKline in Erscheinung.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ