Wirtschaft

Großfusion auf Wohnungsmarkt Anleger und Mieter in Skepsis vereint

60750873.jpg

Die Konzernführung verspricht "Vorteile für alle"

(Foto: picture alliance / dpa)

Höhere Margen und Dividenden soll der Zusammenschluss zwischen den Großvermietern Deutsche Wohnen und LEG bringen, versprechen die Unternehmenschefs. Nicht nur der Mieterbund hat Einwände gegen die ehrgeizigen Pläne.

Die Immobilienriesen Deutsche Wohnen und LEG Immobilien wollen mit einer Milliardenfusion den Rückstand zum Branchenführer Vonovia verkürzen. "Wir sind beide überzeugt, dass die Kombination unserer Unternehmen von Vorteil für alle Beteiligten ist", sagte Deutsche Wohnen-Chef Michael Zahn in einer gemeinsamen Telefonkonferenz mit LEG-Chef Thomas Hegel.

Ein Zusammenschluss bringt laut Zahn nicht nur Einkaufsvorteile und Synergien in zweistelliger Millionenhöhe pro Jahr. Mehr Größe verbessere auch die Sichtbarkeit am Markt. Die Deutsche Wohnen verfügt über knapp 142.000 Wohnungen, die LEG kommt nach eigenen Angaben auf rund 110.000.

Das früher als Deutsche Annington bekannte Unternehmen Vonovia führt mit etwa 350.000 Wohnungen den deutschen Markt an. Heute stieg es in den deutschen Börsenleitindex Dax aufgestiegen.

Der neue Zusammenschluss solle bis Ende Dezember dieses Jahres vollzogen werden, sagten Zahn und Hegel. Hauptstandort der Firma mit dem Namen Deutsche Wohnen werde Berlin. Düsseldorf solle als zweites Standbein ausgebaut werden. Zu Stellenkürzungen wollten die beiden Vorstandschefs noch keine Angaben machen. Das Angebot sieht den Umtausch von 10 LEG-Aktien in 33 neue Deutsche-Wohnen-Aktien vor. Das entspricht einer Prämie von 13 Prozent auf den Schlusskurs der LEG-Aktie vom Freitag.

"Zeit des Einkaufens in Berlin vorbei"

Anleger sind Pläne offenbar nicht überzeugt. Für die Aktien der Deutsche Wohnen ging es am Vormittag deutlich bergab, während die Titel der LEG anzogen. Deutsche-Wohnen-Chef Zahn kündigte an, "massiv in die Investorenansprache" zu gehen. Anlegern, die die bisherige Konzentration des Konzerns auf den Berliner Markt geschätzt hätten, müsse die Expansion erklärt werden.

"Die Zeit des Einkaufens in Berlin ist mehr oder weniger vorbei", sagte Zahn. Eine gewichtige Rolle wird das bevölkerungsstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen spielen. Städte wie Köln, Düsseldorf und Münster seien "sehr attraktiv", sagte Zahn. Die Sorge am Aktienmarkt vor höheren Risiken sieht Zahn nicht als begründet an.

Schmackhaft will er den Investoren die Fusion mit zukünftigen Erlössteigerungen machen. So sollen sich die "Funds From Operations" (FFO), die die operative Stärke von Immobilienunternehmen spiegeln, zweistellig verbessern. Auch winken den Aktionären höhere Dividendenausschüttungen.

Mieterschützer dagegen sehen die zunehmende Konzentration unter den Wohnungsanbietern skeptisch. Es werde in einem solchen Riesenkonzern, wie er aus dem Zusammenschluss der Deutsche Wohnen und der LEG entstehen soll, "weniger um die Mieter in ihren einzelnen Quartieren gehen als um Gewinnmaximierung", sagte Silke Gottschalk vom Mieterbund Nordrhein-Westfalen der "Rheinischen Post". Eigentlich müssten einzelne Quartiere gezielt gestärkt werden, "aber jetzt versucht man Kosten durch eine größere Einheit zu senken". Eine Prognose über die Mietentwicklung indes "sollten wir noch nicht wagen", sagte Gottschalk.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/AFP