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Sonntag, 26. November 2017

Vom Patriarchen zum Pleitier : Anton Schlecker droht Gefängnis

Fünf Jahre ist die große Schlecker-Pleite her, durch die 30.000 Angestellte arbeitslos wurden. Am Montag wird das Urteil gegen Firmengründer Anton Schlecker gesprochen. Er soll den Bankrott beabsichtigt und Geld für seine Kinder beiseite geschafft haben.

Starr blickt Anton Schlecker zu seinen Anklägern, als sie drei Jahre Haft für ihn fordern. Dem Mann, der einst in abenteuerlicher Geschwindigkeit ein Drogerie-Imperium errichtete und es ebenso schnell wieder verlor, droht Gefängnis. Am Montag wird im Prozess vor dem Landgericht Stuttgart nun das Urteil erwartet.

In weißer Farbe auf blauem Grund fand sich sein Name noch vor fünf Jahren in nahezu jedem Dorf: "Schlecker", das verbanden die Menschen einst mit günstigen Drogerieprodukten. Nun verbinden sie es mit einer der größten Pleiten der jüngeren Geschichte. Es war im Jahr 2012, als sein Unternehmen Insolvenz anmeldete und 30.000 Beschäftigte ihre Arbeit verloren.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dass er seine Firma absichtlich in den Bankrott führte und zuvor noch versuchte, Gelder für seine Kinder in Sicherheit zu bringen. Schlecker selbst ist heute mittellos.

Kontrolltouren im Sportwagen

Die Pleite seines Lebenswerks bedeutete auch für Anton Schlecker den Ruin, denn als eingetragener Kaufmann haftete er mit seinem Privatvermögen. Ungewöhnlich für einen Konzern, der zeitweise mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz machte. Doch die Rechtsform hatte einen Vorteil: Schlecker konnte in seinem Imperium durchregieren, ohne Rücksicht auf andere.

Früher, als die Läden noch liefen, habe im Hinterzimmer eines jeden Geschäfts ein Foto von Anton nebst Gattin Christa hängen müssen, erinnern sich ehemalige Verkäuferinnen. Tradition hatten auch die Touren, die der Patriarch unternahm. In einem seiner schnittigen Sportwagen klapperte er Filialen ab, um höchstpersönlich nach dem Rechten zu sehen. Am Ende stand er dort vor halbleeren Regalen. Die Warenbeschaffung war zum Problem geworden, denn die Geschäfte liefen nicht mehr gut und dem Unternehmen ging das Geld aus.

Dabei galt Schlecker einst als begnadeter Unternehmer. Am 28. Oktober 1944 als einziger Sohn unter drei Geschwistern in Ulm geboren, sollte er später in den elterlichen Metzgereibetrieb einsteigen. In der Freizeit spielte Anton junior in der betriebseigenen Elf Fußball - und im Berufsleben gab er Gas: 1965 legte er mit gerade einmal 21 Jahren die Meisterprüfung ab. Er war der jüngste Metzgermeister der Bundesrepublik.

1970 heiratete Schlecker die Fremdsprachenkorrespondentin Christa. Im Folgejahr kam Sohn Lars zur Welt, zwei Jahre später Meike.

Teure Geschenke bis zum Schluss

Als 1974 die Preisbindung für Drogerieartikel wegfiel, hatte Schlecker die entscheidende Idee: Er machte nicht mehr in Fleischwaren, sondern eröffnete 1975 im schwäbischen Kirchheim/Teck den ersten Schlecker-Drogeriemarkt. Von da an ging es steil bergauf: Nach zwei Jahren betrieb er schon 100 Drogeriemärkte, nach neun Jahren öffnete Laden Nummer 1000. Schlecker wuchs und wuchs.

Am Ende wurde dem Gründer der Expansionseifer zum Verhängnis. "Aus purem Wachstum heraus sind Probleme viele Jahre zu spät angegangen worden", sagte 2012 Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Bereits ab 2008 verlor die Drogeriekette nur noch Geld. Es scheint, als wollte Schlecker das nicht wahrhaben. Seiner Familie machte er weiter teure Geschenke. Eine Wohnungssanierung hier, ein Karibikurlaub dort, 200.000 Euro für jeden Enkel.

Obwohl Schlecker heute selbst kein Geld mehr hat, lebt er immer noch in der alten Familienvilla hinter hohen Mauern - Gütertrennung und das Vermögen seiner Frau machen es möglich. Es könnte sein, dass Schlecker das Leben in der Villa demnächst mit dem in einer Gefängniszelle tauschen muss.

Quelle: n-tv.de